Immanent (immanens, darin bleibend) ist ein Ausdruck fr das Eingeschlossensein, Innenwirken einer Sache, Kraft, eines Ereignisses, einer Erkenntnis. Immanent ist, was in der Sache, im Begriff selbst steckt, nicht darber hinausgeht (nicht transzendent, s. d.) ist. Bewutseins-immanent heit alles, was (nur) im Bewutsein, als Bewutseinsinhalt Existenz hat. Erfahrungs-immanent ist, was innerhalb der Erfahrung bleibt, die Erfahrung nicht berschreitet. Erkenntnis-immanent ist, was in den Bereich des Erkennens fllt, ohne deswegen gerade Erfahrungsobjekt sein zu mssen. Welt-immanent ist, nach dem Pantheismus (s. d.), Gott; nach dem Panentheismus (s. d.) ist die Welt Gott immanent.
Immanent sein kommt als enyparchein schon bei ARISTOTELES vor (enyparchein en t ti estin, en t log: begriffliche Immanenz, Anal. post. I 4, 73 a 35 squ.; vgl. De coel. II 9, 291 a 11: en pheromen... enyparchei; Phys. II 3, 194 b 24; Met. IX 8, 105 a 24 squ. ist vom enyparchein der energeia die Rede).
Die Scholastiker unterscheiden die actio immanens, welche ber das. Subjekt der Ttigkeit nicht hinausgreift, von der actio transiens. Immanentes (actiones) sunt, per quas... subiectum non transmutatur. Hae manent subiective in agente. Tales sunt operationes potentiarum animae cognitivarum et appetitivarum (GOCLEN, Lex. philos. p. 1125). Nach BAUMGARTEN ist immanens jede actio, quae non est influxus (Met. 211). Nach LEIBNIZ sind die Handlungen der Monaden (s. d.) diesen immanent (vgl. Harmonie).
Die Unterscheidung von causa immanens und causa transiens hat Bedeutung bei SPINOZA. Nach ihm ist Gott (s. d.) die immanente Ursache, der permanente Grund alles Geschehens, insofern er (als natura naturans, s. d.) nur in den Dingen (den modis) wirkt. Deus est omnium rerum causa immanens, non vero transiens. - Omnia, quae sunt, in Deo sunt et per Deum concipi debent, adeoque Deus rerum, quae in ipso sunt, est causa... Deinde extra Deum nulla potest dari substantia, hoc est res, quae extra Deum in se sit (Eth. I, prop. XVIII; vgl. Ursache).
Den Begriff der Erfahrungs-(Erkenntnis-)Immanenz prgt KANT. Immanent ist alle innerhalb der Erfahrungsmglichkeit bleibende, auf ein Erfahrbares sich beziehende Erkenntnis (Krit. d. r. Vern. S. 271). Die Anschauungsformen(s. d.) und die Kategorien (s. d.) lassen nur eine immanente Anwendung zu, dienen nur zur Verarbeitung der Erfahrung (Prolegom. 40).
Die Bewutseinsimmanenz, d.h. die Immanenz der Auendinge im erkennenden Bewutsein, im Ich, betont J. G. FICHTE. Der Kritizismus ist darum immanent, weil er alles in das Ich setzt (Gr. d. g. Wiss. S. 41). SCHELLING; spricht schon von einer immanenten Philosophie (Vom Ich S. 113). Nach E. V. HARTMANN ist immanent alles, was von der Form des Bewutseins als vorgestellter Inhalt umfat wird, innerhalb dieser Sphre des unmittelbar Gegebenen bleibt (Grundl. d. transzendental. Realism. S. XIII). UPHUES unterscheidet zweierlei Immanenz, das unmittelbar Immanente, welches die gegenwrtigen Bewutseinsvorgnge des eigenen Bewutseins umfat und den Gegenstand der Reflexion bildet, und das mittelbar Immanente, die vergangenen Bewutseinsvorgnge des eigenen Bewutseins (Psychol. d. Erk. I, 7).
Logische Immanenz nennt B. ERDMANN die eigenartige Beziehung der Merkmale des Gegenstandes zu diesem, des Prdikats zum Subjekt im Urteil (s. d.). Vgl. Objekt.