Ich ist der Ausdruck der Selbstunterscheidung eines lebenden Subjekts von anderen Subjekten und den Objekten (Nicht-Ichs), also der Beziehung von Erlebnissen auf das Subjekt als deren Eigner, Trger, konstanten Faktor. Das Ich ist das Identische, Permanierende, die Einheit eines lebenden, bewuten Wesens. Es erfat sich selbst, setzt (s. d.) sich selbst zuerst in einer Summe von Trieben, dann im (beseelten) Leibe, dann in einem Zusammenhange von Vorstellungen, Urteilen und Gefhlen, zuletzt im Willen und in der kraftvollen, synthetischen Einheit des Bewutseins berhaupt, die sich von allen ihren Teilgliedern und Inhalten unterscheidet. Das Wesen des Ich liegt in der unterscheidenden, (rck-) beziehenden und synthetischen Ttigkeit selbst. Das Ich ist kein Schein, keine Erscheinung, es ist als (aktiver) Bewutseinsfaktor idealreal zugleich wie alles Geistige, es ist kein Summationsphnomen, sondern ist schon ein Faktor des primitiven Bewutseins (als Ichgefhl, konkrete Ichheit, Fr-sich-sein). Aber es ist keine Wesenheit auerhalb des Bewutseins, keine starre Substanz, sondern substantiell nur in und mit dem Komplex individueller Erlebnisse gegeben, als Ich-Moment. Das reine Ich ist ein begriffliches Gebilde, es ist das Ich, losgelst gedacht von seinem Inhalte und in seinen Ichcharakter, der Ichheit, fixiert. Die verschiedenen Arten der Setzung des Ich, des Ich-Erlebens, Ich-Wissens kommen in der Entwicklung des Selbstbewutseins (s. d.) zum Ausdruck. Die Unterscheidung eines primren vom sekundren (entwickelten, entfalteten, Reflexions-) Ich ist berechtigt. Dem individuellen Ich wird zuweilen ein Gesamt-Ich, ein universales Ich gegenbergestellt. - Die Ichheit ist die Urkategorie, die subjektive Quelle der Kategorien (s. d.).
Die Geschichte des Ich-Begriffes zeigt, da das Ich bald als Seele, Substanz, bald als Aktion, Synthesis, Einheit, bald als Komplex, Assoziationsprodukt, bald also als etwas Ursprngliches, Reales, Wesenhaftes, bald als etwas Abgeleitetes, als Produkt, als Erscheinung oder Schein aufgefat wird.


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