Ideal

Ideal (idealis) bedeutet: 1) vorbildlich, dem Charakter der Idee (s. d.), des Ideals (s. d.) angemessen; 2) (= ideell) nicht wirklich, nicht real (s. d.), nur als (oder in der) Idee (Vorstellung, Phantasie, im Bewutsein) bestehend; 3) nicht empirisch vorkommbar, sondern als Idee, Geistiges, Seinsollendes, Gltiges bestehend. Das ideale wird vom realen Sein unterschieden.

Zuerst bedeutet idealis, idealiter so viel wie: in der (Platonischen) Idee, vorbildlich, als Musterbild im gttlichen Geiste seiend, esse exemplariter (ALBERTUS MAGNUS, Sum. th. I, 50, 2). Von WILHELM VON OCCAM an hat idealiter schon den Sinn des esse in intellectu, des geistigen Seins. Nach GOCLEN bedeutet esse ideale das esse alicuius in mente secundum speciem, in qua, ut obiectivo principio, res cognoscitur (Lex. philos. p. 209). LEIBNIZ stellt das ideal dem Materialen gegenber (Erdm. p. 186a). Neben der lteren Bedeutung erhlt ideal (besonders durch die neue Bedeutung von idea als Vorstellung, Gedanke seit DESCARTES) die des blo Vorstellungsmigen, Subjektiven. MENDELSSOHN erklrt: Das erste, von dessen Wirklichkeit ich berfhrt bin, sind meine Gedanken und Vorstellungen. Ich schreibe ihnen eine ideale Wirklichkeit zu, insoweit sie meinem Innern beiwohnen und als Abnderungen meines Denkvermgens von mir wahrgenommen werden (Morgenst. I, 1). PLATNER bemerkt: Idealische Dinge haben ihren Grund in der Vernunft (Philos. Aphor. I, 518). KANT bringt die transzendentale Idealitt (s. d.) mit der empirischen Realitt zusammen. Nach KRUG legen wir dem Wissen Idealitt bei, sofern wir es auf das Reale beziehen, denn das Wissen oder die Vorstellung von dem, was ist, heit eben das Ideale (Handb. d. Philos. I, 45). J. G. FICHTE versteht unter der Reihe des Idealen die Reihe dessen, was sein soll, und was durch das bloe Ich gegeben ist (Gr. d. g. Wiss. S. 264). SCHELLING bestimmt: Ideell, abhngig vom Ich (Syst. d. tr. Ideal. S. 76). Das absolut Ideale ist absolutes Wissen (Naturphilos. I, 71). Ideales und Reales sind im Absoluten identisch. Das wahre Ideale ist allein und ohne weitere Vermittlung auch das wahre Reale (Vorles. b. d. Meth. d. akad. Stud.3, S. 12). Nach HILLEBRAND ist das Ideale der mit der Objektivitt identische Gedanke oder der in seiner Realitt sich gegenwrtige Begriff (Philos. d. Geist. II, 235). Das Ideale ist auch das Reale (ib.). Nach SCHOPENHAUER ist das Ideale das, was unserer Erkenntnis allein und als solcher angehrt (Parerg. I, 1). Nach SCHALLER u. a. ist ideell alles Abstrakte, Allgemeine, Gesetzliche (Briefe S. 37). TEICHMLLER nennt ideelles Sein Jedes Was, Quid, d.h. im allgemeinen alles, was ein Gegenstand oder Inhalt des Denkens und Erkennens geworden ist (N. Grundleg. S. 99). Ideell ist aller von der Erkenntnis erfate Inhalt des Bewutseins (l.c. S. 101), alles Gemeinte (l.c. S. 118). HUSSERL unterscheidet das ideale Sein der Wahrheit (d.h. deren berzeitliches Gelten) vom blo psychischen Sein in unserem Geiste (Log. Unters. II, 95). Bei R. AVENARIUS bedeutet ideell so viel wie gedankenhaft gegenber dem Sachhaften (s. d.). Vgl. Wahrheit, Sein.


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