Anthropomorph

Anthropomorph (Anthropomorphisch, Anthropomorphistisch): nach dem Ebenbilde des Menschen, in menschlicher, menschlich-bedingter Form, vermenschlicht. Anthropomorphismus: Vermenschlichung, Hineinlegen des Menschlichen in die Dinge. Insofern unser ganzes Erkennen die Formen des Menschentums an sich trgt, ist es anthropomorphisch, mu sich aber gleichwohl vom Anthropomorphismus im engeren, schlechten Sinne, d.h. von der Betrachtung des Auermenschlichen als etwas dem specifisch Menschlichen Analogen fernhalten.

Gegen die anthropomorphe Religion wendet sich schon der Eleate XENOPHANES. Er sieht ein, da die Menschen die Gtter nach ihrem Bilde denken (Clem. Alex., Strom. VII, 711b), ihnen menschliche Eigenschaften beilegen (l.c. V, 601c; Sext. Emp. adv. Math. IX, 193). PROTAGORAS lehrt, der Mensch sei das Ma aller Dinge: pantn chrmatn metron anthrpos (s. Erkenntnis). GOETHE macht auf das Anthropomorphische unserer Erkenntnis aufmerksam. - J. C. S. SCHILLER lehrt (Riddles of the Sphinx 1891) eine wissenschaftlich-anthropomorphische Methode und Weltanschauung, die alles auf individuelle Existenzen, auf Monaden (s. d.) zurckfhrt. SULLY betont den anthropomorphen Ursprung der Idee der Ursache (s. d.) und des Zwecks (s. d.) (Unt. b. d. Kindh. S. 74 ff.). Auf den Ursprung der Kategorien (s. d.) aus der inneren Erfahrung und die Introjektion (s. d.) derselben in die Auenwelt machen verschiedene Denker aufmerksam. So auch NIETZSCHE, fr den alles Erkennen durchaus anthropomorphistisch ist (WW. III, 1, S. XIV, XV, S. 168). Die empirische Welt ist nur die anthropomorphisierte Welt. Die Menschen sehen einen Wert und eine Bedeutung in die Natur hinein, die sie an sich nicht hat (X, 176; XII, 1, 8; 1, 9; XI, 6, 1). REINKE erklrt: Wir knnen ber die Natur nur nach Magabe unseres Erkenntnisvermgens urteilen. Dies ist die grundlegende Voraussetzung alles Forschens, durch die allerdings die Wissenschaft eine anthropomorphe Grundlage erhlt (Einl. in d. theor. Biol. S. 17). JERUSALEM betont (in D. Urteilsfunct.), da wir den Anthropomorphismus auch auf der hchsten Stufe des Erkennens nicht los werden. So auch H. CORNELIUS (Einl. in d. Philos. S. 22).


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