Altruismus

Altruismus (von alter, der andere): Gegensatz zum Egoismus (s. d.), zur Selbstsucht, bedeutet Uneigenntzigkeit, Denken an und Handeln fr anderer Wohl, Selbstaufopferung im Sinne des Christentums. Auch SENECA erklrt: alteri vivas oportet, si vis tibi vivere (Ep. 48, 2; vgl. 60, 4). Der Terminus Altruismus stammt von COMTE, der im Altruismus die Bedingung aller Kultur und Sittlichkeit erblickt. Den Altruismus als ethisches Prinzip vertreten in verschiedener Weise CUMBERLAND, SHAFTESBURY, HUTCHESON, BUTLER, PALEY, HUME, A. SMITH, LEIBNIZ, CHR. WOLF u. a. H. SPENCER nennt altruistisch jede Handlung, welche im normalen Verlauf der Dinge anderen Nutzen schafft statt dem Handelnden selbst (Pr. of moral. 76). Der Altruismus ist ebenso ursprnglich wie der Egoismus (ib.). bertriebener Altruismus ist schdlich (l.c. 73 f.). Nach LIPPS ist Altruismus das Abzielen auf Verwirklichung fremder Gter, d.h. auf Verwirklichung solcher sachlicher Werte, d.h. anderen Befriedigung gewhren (Eth. Gr. S. 11). Der Altruismus ist etwas Ursprngliches, er beruht auf natrlicher Sympathie, auf der inneren Einheit meiner selbst mit fremden Persnlichkeiten, von denen ich wei (l.c. S. 15 ff., 23). Nach SIMMEL ist der Altruismus ein vererbter Instinkt (Einl. in d. Mor. I, 92), er ist Gruppenegoismus (I, 113, wie IHERING). Nach O. AMMON entspringen die altruistischen (sozialen) Triebe dem Schutztriebe (Gesellschaftsordn. S. 67). P. RE erklrt: Nachdem der Instinkt, die Nachkommenschaft zu lieben, durch Auslese und Vererbung seine Strke erlangt hatte, zweigte sich von ihm durch Ideenverknpfung der Nchstenliebeinstinkt ab (Philos. S. 14). A. MEINONG nennt ein Begehren altruistisch, wenn dabei das Wohl des andern als solches entscheidend ist (Werttheor. S. 99); es ist selbstisch-altruistisch (z.B. Familienliebe) oder unselbstisch-altruistisch (allgemeine Menschenliebe) (l.c. S. 103). Nach WUNDT ist der Altruismus erst im Dienste der Idee sittlicher Entwicklung sittlich (s. d.). H. CORNELUS betont: nur die Rcksicht auf das dauernd Wertvolle, nicht aber die Rcksicht auf die einzelnen Gefhlserlebnisse darf fr unser Handeln ausschlaggebend sein (Einl. in die Phil. S. 351 f.). Ein Gegner des schwchlichen Altruismus ist NIETZSCHE. Vgl. Ethik, Sittlichkeit, Sympathie, Sozial.

 

 


Vergleiche ferner:

- Altruismus (Kirchner: Wrterb. d. phil. Grundbegriffe)

- Comte: Die positive Philosophie (Vorlnder: Gesch. d. Phil.)


 © textlog.de 2004 06.09.2026 14:20:10
Seite zuletzt aktualisiert: 14.11.2004 
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