Anamnese (anamnsis): Erinnerung. Als solche betrachtete PLATO die Erkenntnis des Allgemeinen, Seienden, Typischen, Idealen. Im Zustande der Prexistenz (s. d.) hat die Seele die Ideen (s. d.) unmittelbar geschaut, und wenn sie nun die Dinge wahrnimmt und denkt, so erinnert sie sieh daran, d.h. sie erkennt vermittelst angeborener Spuren der einstigen Schauung, vermittelst einer Art apriorischer Mastbe, die sie an die Erfahrung heranbringt sowohl im Logischen, Theoretischen als auch im Ethischen und sthetischen. Touto de estin anamnsis ekeinn, ha pot' eiden hmn h psych symporeutheisa the kai hyperidousa ha nyn einai phamen kai anakypsasa eis to on onts (Phaedo 249 C). Hmin h mathsis ouk allo ti anamnsis tynchanei ousa, kai kata touton anank pou hmas en proter tini chron memathkenai ha nyn anamimnskometha (Phaedo 72 E). Oukoun ei men labontes autn pro tou genesthai echontes egenometha,pistametha kai prin genesthai kai euthys genomenoi ou monon to ison kai to meizon kai to elaton, alla kai xympanta ta toiauta (l.c. 75 C, Meno 86 A; vgl. WINDELBAND, Gesch. d. Phil. S. 92). Als Bewutwerden der angeborenen Ideen (physikai ennoiai) kennt eine Anamnese NEMESIUS (peri physes 13, 203 f.). Im Sinne Platos lehrt auch BOTHIUS (Cons. phil. V), ferner M. FICINUS (Theol. Plat. XII, 1), N. TAURELLUS (Phil. triumph. 1, p. 62). Ein Gegner der Lehre ist u. a. ARNOBIUS (Adv. Gent. II, 24). HILLEBRAND betrachtet das freie ideelle Denken des bersinnlichen als eine Art Wiedererinnern (Phil. d. Geist. I, 91). Eine Art Anamnese auf biologisch (phylogenetisch) - erkenntnistheoretischer Grundlage (als Bewutwerden latenter Vererbungen) wird vielfach angenommen, so auch von L. NOIR (Einl. u. Begr. e. mon. Erk. S. 144), L. GEIGER (Umf. u. Qu. d. erf. Erk. S. 16), SIMMEL (Probl. d. Gesch. S. 25 f.) u. a.