Anpassung (Adaption, Adaptation): 1) Organische, biotische = die Gestaltung der Organe und Funktionen eines Lebewesens entsprechend den Lebensbedingungen, dem biologischen Milieu. Die Anpassung ist das Resultat des Zusammenwirkens von Organismus (und dessen Trieben und Willensacten) + Milieu. berwiegen die Einflsse des letzteren, spricht man von passiver, kommt mehr das eigene Sich-anpassen des Organismus in Frage, von aktiver Anpassung. Die Anpassung ist eine direkte, wenn unmittelbar, eine indirekte, wenn durch Selektion (s. d.) erfolgend. Die Anpassung ist ein Faktor der Entwicklung (s. d.) der Organismen. - Schon ANAXIMANDER soll die Idee der Anpassung ausgesprochen haben (Plut., Plac. V 19, 1). CH. DARWIN hat die (auch von LAMARCK gelehrte) Anpassungs-Theorie neu begrndet, insbesondere sie auf Selektion zurckgefhrt (Entsteh. d. Arten). Whrend der extreme Darwinismus die Anpassung ausschlielich als selektorische, indirekte auffat (z.B. WEISMANN), betonen andere Naturforscher und Philosophen (z.B. WUNDT, E. VON HARTMANN, BALDWIN, JAMES, STOUT, FOUILLE u. a.) die Notwendigkeit direkter und aktiver Anpassungen. So auch REINKE. Nach ihm ist Anpassung die vorteilhaft wirkende Reaktion des Organismus gegenber der Auenwelt sowohl in seiner Gestaltung wie auch in seinen Verrichtungen (Welt a. Tat S. 245). Aktive Anpassung ist die Fhigkeit, sich den Bedingungen der Auenwelt entsprechend zu verndern, die Fhigkeit, auf die Umgebung zweckmig zu reagieren (Einl. in d. th. Biol. S. 105 ff.). Die Anpassung ist letzten Endes eine Reizwirkung. (Es gilt der PFLGERsche Satz: Die Ursache jedes Bedrfnisses eines lebendigen Wesens ist zugleich die Ursache der Befriedigung des Bedrfnisses, D. teleol. Mech. d. leb. Nat. 1877, S. 37; hnlich schon LAMARCK und LOTZE). Die Vernderung der Lebensbedingungen wirkt als Reiz, lst eine Reaktion aus, die fr den Organismus ntzlich ist (l.c. S. 122; vgl. A. WAGNER, Grundprobl. d. Naturwiss. 1897, S. 230). Unter funktioneller Anpassung versteht W. ROUX die Fhigkeit der Organe, durch verstrkte bung in hherem Mae ihren Funktionen sich anzupassen (Beitr. zur Morph. d. funct. Anpass., Arch. f. Anat. u. Phys. 1883); er lehrt eine Anpassung der Organe aneinander (D. Kampf d. Teile im Organ. 1881). Nach SIMMEL, mu das Anpassungsprinzip nicht zur Erhhung und Erhaltung einer bestimmten Art fhren, sondern zur Steigerung der Gesamtlebenssumme auf einem gegebenen Raume (Einl. in d. Mor. I, 185).
2) Psychologische Anpassung: a. der Sinnesfunctionen an die Reize (SPENCER, JODL, WUNDT, RIEHL u. a.); b. der Aufmerksamkeit an den sie auslsenden Reiz. Sie bekundet sich in Spannungsempfindungen (WUNDT, Grdz. d. ph. Psych. II4, 269 ff.; Phil. Stud. II, 34). EBBINGHAUS versteht unter Adaptation die Abstumpfung der Empfindungen bei continuierlicher Fortdauer der objectiven Reize (Gr. d. Psychol. S. 520).
3) Logische Anpassung der Gedanken an die Tatsachen, besonders von MACH betont (Populrwiss. Vorles. S. 231 ff.). Vgl. Evolution, konomie.
Nachtrag: Anpassung: vgl. E. MACH, b. Umbild. u. Anpass. im naturwiss. Denken, 1883. - Nach BALDWIN ist die Akkommodation das Prinzip, nach dem ein Organismus sich an mehr komplizierte Zustnde der Reizung durch Leistung von mehr komplizierten Funktionen adaptiert (Entwickl. d. Geist. S. 447).