Apokatastasis

Apokatastasis (apokatastasis pantn, restitutio universalis): Wiederherstellung, Wiederkunft alles dessen, was gewesen. Schon die Pythagoreer sollen eine Apokatastasis gelehrt haben. Ei de tis pisteuseie tois Pythagoreiois hs palin ta auta arithm, kag mythologs to rhabdion echn kathmenois hout, kai ta alla homois hexei (Simpl. ad Phys. Ar. 732 Diels). HERAKLIT nimmt einen ewigen Kreislauf des Geschehens an: die aus dem Urfeuer hervorgegangene Welt kehrt nach bestimmten Zeiten immer wieder, periodisch, zurck. Die Stoiker fgen hinzu, da wegen der Gleichheit der Gesetze, denen die Weltbewegung folgt, die aufeinander folgenden Welten (nach jeder Ekpyrosis, s. d.) sich so hnlich sind, da in jeder von ihnen die gleichen Personen, Dinge, Ereignisse wiederkommen (vgl. ZELLER, Gr. d. Gesch. d. gr. Ph.4, S. 47, 59, 209). M. AUREL lehrt eine periodische Wiedergeburt der Seele (In se ips. XI, 1). Bei MINUCIUS FELIX erscheint die Apokatastasis als die Auferstehung des christlichen Glaubens (Octav. C. 34, 9). ORIGENES versteht unter der Apokastastasis die Wiederherstellung der Seelen in ihrer Einheit mit Gott, in ihrer Gte (De prin. III, 1, 3). In neuerer Zeit lehren BLANQUI (L'ternit par les astres 1871) und LE BON (L'homme et les socits 1878), die Menge der Kombinationen der Daseinsformen sei eine begrenzte, daher komme das Gleiche immer wieder (vgl. LICHTENBERG, Die Phil. Fr. Nietzsches, 1900). Unabhngig von diesen (aber im Anschlu an Heraklit) glaubt NIETZSCHE an eine Wiederkunft des Gleichen. Er leitet sie aus der von ihm angenommenen Endlichkeit der Weltkraft ab. Htte die Welt ein Ziel, so mte es erreicht sein. Die Welt hat kein Ziel, kein Vermgen zur ewigen Neuheit. Der Satz vom Bestehen der Energie fordert die ewige Wiederkehr aller Dinge, Ereignisse, Zustnde. Wenn die Welt als bestimmte Gre von Kraft und als bestimmte Zahl von Kraftzentren gedacht werden darf - und jede andere Vorstellung bleibt unbestimmt und folglich unbrauchbar -, so folgt daraus, da sie eine berechenbare Zahl von Kombinationen, im groen Wrfelspiel ihres Daseins, durchzumachen hat. In einer unendlichen Zeit wurde jede mgliche Kombination irgendwann einmal erreicht sein; mehr noch: sie wurde unendliche Male erreicht sein. Und da zwischen jeder Kombination und ihrer nchsten Wiederkehr alle berhaupt noch mglichen Kombinationen abgelaufen sein mten und jede dieser Kombinationen die ganze Folge der Kombinationen in derselben Reihe bedingt, so wre damit ein Kreislauf von absolut identischen Reihen bewiesen: die Welt als Kreislauf, der sich unendlich oft bereits wiederholt hat und der sein Spiel in infinitum spielt. Alles, was da lebte und wie es lebte, kehrt immer wieder - das ist die Unsterblichkeit, die NIETZSCHE an Stelle des Jenseitsglaubens setzt (WW. XV, 375 ff., 380, 382 ff., XII, 1, 203 ff., 234; vgl. NAUMANN, Zarathustra Comm. 1899-1901, R. STEINER, Mag. f. Litt. 21. Apr. 1900; HORNEFFER, Nietzsches Lehre von der ewig. Wiederk. 1900). Zu dieser Lehre meint RIEHL, es werde, in der Lehre von der Wiederkunft, von Nietzsche die absolute Realitt der Zeit angenommen, als htte es noch keine Kritik der Antinomien des Unendlichen gegeben; die Zeit, die unabhngige Variable in der Bewegung, wird zu einer unabhngig Variablen von der Bewegung gemacht, als sei sie selbst etwas fr sich Bestehendes. Auch knnte eine und dieselbe Kombination von Energieformen auf unendlich vielen Wegen erreicht werden und unendlich verschiedene Folgeerscheinungen nach sich bringen (Z. Einf. in d. Phil. S. 231). P. MONGR hlt Nietzsches Lehre von der ewigen Wiederkunft fr schlecht begrndet, nimmt aber selbst die Mglichkeit der identischen Reproduktion jeder einzelnen Zeitstrecke an (Sant-Ilario 1897).

 

 

Nachtrag: Apokatastasis. Eine ewige Wiederkunft lehrt auch BAHNSEN. Vgl. RIEHL, Zur Einf. in d. Philos. S. 231.


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