Philosophie - Wundt, Nietzsche

Den strengen Zusammenhang der Philosophie mit den Einzelwissenschaften betont, ohne dem Positivismus (s. d.) zu verfallen, WUNDT. Die Philosophie soll den ganzen Umfang wissenschaftlicher Erfahrung zur Grundlage nehmen (Ess. 1, S. 18). Die Philosophie geht den Einzelwissenschaften nicht voran, sondern sie folgt ihnen nach (Einl. in d. Philos. S. 38. Philos. Stud. XIII, 432). Die Philosophie fhrt die Arbeit der Einzelwissenschaft weiter, vollendet de (Syst. d. Philos2, S. V. Syst. d. Philos.2. S. XI. Einl. in d. Philos. S. 28). Sie ist aber nicht eine bloe Sammlung der Prinzipien der Einzelwissenschaften (wie bei COMTE u. a.), sondern sie mu jedes Problem erkenntniskritisch prfen (Philos. Stud. V, 31). Sie mu den allgemeinen Erkenntnissen der Wissenschaften die endgltige systematische Ordnung geben (Log. II2 2, 25. Einl. in d. Philos. S. 16 ff.. Syst. d. Philos.2, S. VI). Alles Philosophieren beruht auf einem Trieb nach Systematisierung des Erkennens und seiner Methoden (Einl. in d. Philos. S. 31). Bloe Wertlehre kann die Philosophie nicht sein, da schon in jeder Wissenschaft Wertungen notwendig sind, auch kann sie nicht rein normativ sein, denn jede normative Wissenschaft ist zugleich explicativ (Einl. in d. Philos. S. 30 ff.). Zweck der Philosophie ist die Zusammenfassung unserer Einzelerkenntnisse zu einer die Forderungen des Verstandes und die Bedrfnisse des Gemtes befriedigenden Welt- und Lebensanschauung (Syst. d. Philos.2, S. 1, 15. Einl. in d. Philos. S. 5 ff.). Die Philosophie ist eine allgemeine Wissenschaft, welche die durch die Einzelwissenschaften vermittelten allgemeinen Erkenntnisse zu einem. widerspruchslosen System zu vereinigen hat (Syst. d. Philos.2, S. 17. Einl. in d. Philos. S. 17). berall, wo sich zwischen den Auffassungen auf verschiedenen Gebieten ein Widerspruch herausstellen wollte, ist es die Philosophie, die den Grund desselben aufzuklren und dadurch womglich den Widerspruch zu beseitigen hat (Syst. d. Philos.2, S. 17. Einl. in d. Philos. S. 19). Ihren Inhalt hat die Philosophie mit den Wissenschaften gemein, aber sie nimmt einen andern Standpunkt der Betrachtung ein, indem sie den Zusammenhang der Tatsachen und Begriffe ins Auge fat (Syst. d. Philos.2 S. 21, 30. Philos. Stud. V, 1 ff., 48). Die Philosophie ist eine Geisteswissenschaft, denn sie sttzt sich wesentlich auf psychologische Erfahrungen (Syst. d. Philos. S. 14, 28. Philos. Stud. V, 48. Einl. in d. Philos. S. 27, 82). Die Methode der Philosophie ist die wissenschaftliche berhaupt (Log. II2 2, 631 ff.). Wissenschaftslehre ist die Philosophie nur in dem Sinne, da sie die Methoden und Ergebnisse der Einzelwissenschaften als den eigentlichen Gegenstand ihrer Forschungen betrachtet, ihr Ziel aber ist die Gewinnung einer Weltanschauung, die dem Bedrfnis des menschlichen Geistes nach der Unterordnung des Einzelnen unter umfassende theoretische und ethische Gesichtspunkte Genge leistet (Log. II2, 641 f., 643. Syst. d. Philos.2, S. 105. Ess. 2, S. 60). Kritisch ist die Philosophie, indem sie von vornherein mit klarem Bewutsein ber ihre Voraussetzungen und Verfahrungsweisen Rechenschaft zu geben hat, indem sie ferner die logischen Motive des Erkennens nachweist (Log. II2 2, 631. Syst. d. Philos.2, S. 192. Philos. Stud. VII, 12 f., 15. vgl. b. d. Aufgabe d. Philos. 1874. Einflo d. Philos. auf d. Erfahrungswissensch. 1876). Die Philosophie gliedert sich in: 1) genetische (Erkenntnislehre, s. d.) und 2) systematische Philosophie (Prinzipienlehre: Metaphysik. Naturphilosophie, Geistesphilosophie = Ethik, Rechtsphilosophie, sthetik, Religionsphilosophie, Geschichtsphilosophie) (Einl. in d. Philos. S. 85. Syst. d. Philos.2, S. 31). Wie Wundt auch W. JERUSALEM (Einfhr. m d. Philos.), KREIBIG (Werttheor. S. 1) u. a. KLPE bezeichnet als Aufgabe der Philosophie: 1) die, wissenschaftliche Ausbildung einer Weltansicht. 2) die Untersuchung der Voraussetzungen aller Wiesenschaft. 3) die Vorbereitung neuer Einzelwissenschaften (Einl. in d. Philos.2, S. 263).

Nach ADICKES, ist die Philosophie eine selbstndige Wissenschaft, sie ist Theorie des Denkens (Logik, Erkenntnistheorie), Metaphysik, im weiteren Sinne auch Psychologie, Ethik, sthetik (Zeitschr. f. Philos. 117. Bd., S. 49, 52 f.). Sie hat die allgemeinen Bedingungen und Prinzipien des Denkens und Erkennens zu untersuchen und festzustellen. Sie darf nicht in die Einzelwissenschaften eingreifen (l. c. 112. Bd., S. 230). Nach RIEHL ist die Philosophie allgemeine Wissenschafts- und praktische Weisheitslehre, Wissenschaft und Kritik der Erkenntnis (Philos. Krit. II 2, S. 10 ff., 15f.). Die Erfahrung selbst und als solche ist der Gegenstand der wissenschaftlichen Philosophie (Zur Einf. in d. Philos. 6. 22). Ziel der Philosophie ist, dem Menschen eine lebensrolle Weltanschauung zu geben, die sich an alle Seiten seiner Natur wendet (l. c. S. 23). Insofern die Wissenschaft Werte entdeckt, schafft, ist sie mehr als Wissenschaft (1 c. S. 9). Die Philosophie als Kunst der Geistestfhrung ist von der Philosophie als Erkenntnistheorie zu unterscheiden (ib.). Die Philosophie darf nicht metaphysisch sein (l. c. S. 5). Nach H. LORM ist sie nur Erkenntnistheorie (Grundlos. Optimism. S. 145). Die Kantianer (s. d.) bestimmen die Philosophie wesentlich als Erkenntniskritik (s. d.) und Ethik. - Als Wertlehre, normative Wissenschaft von den allgemeingltigen Werten, bestimmt die Philosophie WINDELBAND (Gesch. d. Philos.2, S. 548), sie ist die kritische Wissenschaft von den allgemeingltigen Werten (Prlud. S. 28). Das Objekt der Philosophie bilden die Beurteilungen (l. c. S. 32). Philosophie also ist die Wissenschaft vom Normalbewutsein, von den Prinzipien der absoluten Beurteilung (Logik, Ethik, sthetik, l. c. S. 39, 45 f.). Nach NIETZSCHE ist die Philosophie eine Kunst in ihren Zwecken und in ihrer Produktion. Aber das Mittel, die Darstellung in Begriffen, hat sie mit der Wissenschaft gemein. Der Philosoph bestimmt und schafft Werte, er strebt nach einheitlichem Beherrschen der Welt (WW. X, S. 199 ff.. VII, 1, 211). Die Philosophen sind Befehlende und Gesetzgeber, sie haben die Rangordnung der Werte zu bestimmen (Zur Genealog. d. Moral S. 38). Der Philosoph sucht den Gesamtklang der Welt in sich nachtnen zu lassen und ihn aus sich herauszustellen in Begriffen (WW. X, S. 19). Nach A. DRING ist die Philosophie Gterlehre (b. d. Begr. d. Philos. 1878. Philos. Gterlehre S. 438).

Auf Psychologie, auf innerer Erfahrung basieren die Philosophie FRIES (s. Psychologie) und BENEKE: Philosophie ist angewandte Psychologie (s. d.) (Kant u. d. philos. Aufg. uns. Zeit 1832. Die Philos. S. 37 f.). Nach LIPPS ist die Philosophie Geisteswissenschaft oder Wissenschaft der innern Erfahrung (Gr. d. Seelenleb. S. 3). Im Sinne BRENTANOS definiert A. MARTY die Philosophie als das Wissensgebiet, welches die Psychologie und alle mit der psychischen Forschung nach dem Prinzip der Arbeitsteilung innigst zu verbindenden Disziplinen umfat (Was ist Philos.?). Vgl. JANET, Princ. de mt. et de psychol. I, 3 ff., 130 ff.: E. DE ROBERTY, Qu'est-ce que la philos.? Rev. philos. 53, p. 225 ff. Vgl. Metaphysik, Psychologismus, Problem, Wissenschaftslehre.


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