
Ich - Kant
Die aktuale Auffassung des Ich tritt bei KANT wieder auf, aber in einer andern Form, die der Aktivitt und synthetischen Einheit des Ichbewutseins mehr Rechnung tragt. Die metaphysische Einfachheit und Substantialitt des Ich wird bestritten, die Einheit des Subjekts aber betont. Das Ich bin einfach ist nur ein unmittelbarer Ausdruck der Apperzeption, der Bewutseinsttigkeit selbst (Krit. d. r Vern. S. 302). Es bedeutet, da die Vorstellung Ich nicht die mindeste Mannigfaltigkeit in sich fasse und da sie absolute (obzwar blo logische) Einheit sei (l.c. S. 303). So viel ist gewi: da ich mir durch das Ich jederzeit eine absolute, aber logische Einheit des Subjekts (Einfachheit) gedenke, aber nicht, da ich dadurch die wirkliche Einfachheit meines Subjekts erkenne (ib.). Das Ich ist nicht das Ding an sich (s. d.), es ist Erscheinung, weil es der Form des inneren Sinnes (s. d.) unterliegt, jedenfalls aber ist es nicht krperlich (l.c. S. 304). Das durch den innern Sinn erfate (Vorstellungs-) Ich ist das empirische Ich, von dem das reine, transzendentale Ich der reinen Apperzeption (s. d.), das Ich denke, das alle Vorstellungen als Einheitspunkt begleiten mu knnen, die Ichheit, die reine Synthesis (s. d.) zu unterscheiden ist (l.c. S. 675). Das reine Ich ist ein Begriff, ein Abstraktum, es bezeichnet das Subjekt der Gedanken, das Korrelat der Apperzeption (WW. IV, 438). Ich bin mir meiner selbst bewut, ist ein Gedanke, der schon ein zwiefaches Ich enthlt, das Ich als Subjekt und das Ich als Objekt. Von dem Ich in der erstern Bedeutung (dem Subjekt der Apperzeption), dem logischen Ich, als Vorstellung a priori, ist schlechterdings nichts weiter zu erkennen mglich, was es fr ein Wesen, und von welcher Naturbeschaffenheit es sei; es ist gleichsam, wie das Substantiale, was brigbleibt, wenn ich alle Akzidenzen, die ihm inhrieren, weggelassen habe, das aber schlechterdings gar nicht weiter erkannt werden kann, weil die Akzidenzen gerade das waren, woran ich seine Natur erkennen konnte. Das Ich aber in der zweiten Bedeutung (als Subjekt der Perzeption), das psychologische Ich, als empirisches Bewutsein, ist mannigfacher Erkenntnis fhig. Das empirische Ich ist Erscheinung; das logische Ich zeigt das Subjekt an, wie es an sich ist, im reinen Bewutsein, als reine Spontaneitt, ist aber keiner Erkenntnis fhig (b. d. Fortschr. d. Metaph. S. 109 f.). - REINHOLD versteht unter dem (empirischen) Ich das vorstellende Subjekt, inwiefern es Objekt des Bewutseins ist (Vers. e. neuen Theor. II, 336). Nach S. MAIMON ist das Ich die Einheit des Bewutseins, das im Verhltnis zu den wechselnden Vorstellungen Beharrliche (Vers. b. d. Transc. S. 157). Nach KRUG kann man mir vom empirischen Ich die Existenz aussagen. Dem reinen Ich hingegen kann das Prdikat des realen Seins nicht beigelegt werden, weil es kein reales Ding, sondern ein bloer Begriff, ein Gedankending ist. Denn man denkt es nur dadurch, da man von seinen empirischen Bestimmungen abstrahiert und blo auf die ursprnglichen reflectiert. Das reine Ich ist also nichts anderes als der Inbegriff des ursprnglichen oder Transzendentalen in mir, was ich als den Grund alles Empirischen in mir denke (Fundam. S. 143). Spter jedoch erklrt er: Die Urbestimmungen des Ich sind die wesentlichen, allgemeinen und notwendigen Elemente der menschlichen Natur; sie machen unser Wesen aus... und mssen daher bei allen Menschen auf gleiche Weise angetroffen werden. In ihnen mu unsere ursprngliche Einrichtung oder Anlage... bestehen. Ihr Inbegriff heit auch das reine oder absolute Ich. Dieses ist nichts anderes als die reine Menschheit selbst im Individuum, etwas Reales, das sich unter der Hlle des Empirischen offenbart (Handb. d. Philos. I, 53).