Eigenschaft

Eigenschaft ist eine dem Dinge eigene Art zu sein, eine Seinsweise des Dinges; dieses ist die Einheit, der Trger seiner Eigenschaften. Im Begriffe der Eigenschaft liegt erstens die (empirische) Zugehrigkeit zu einem Dinge, das Enthaltensein eines Etwas in einem Komplex, zweitens die Beziehung der Inhrenz (s. d.), das Haben des Quale seitens des Dinges, analog gedacht dem Verhltnisse der Bewutseinszustnde zum erlebenden Ich. Formal entsteht der Eigenschaftsbegriff als Produkt der analytischen Funktion der Apperzeption (s. d.) zugleich mit dem Dingbegriff, wobei die innere Erfahrung vorbildlich ist. Die Eigenschaft ist das, was dem Dinge als (relativ) dauernder, konstanter, in dessen Wesen begrndeter Zustand zuerkannt wird. Die Eigenschaften der Dinge zerfallen in Qualitten (s. d.), Quantitten (s. d.) und dynamische Eigenschaften. Von den sinnlichen sind die begrifflich-wissenschaftlich gesetzten Eigenschaften zu unterscheiden, von den empirisch-phnomenalen die transzendenten Eigenschaften der Dinge zu sondern. Endlich lassen sich noch physische (materielle) und psychische (geistige) Eigenschaften unterscheiden.

Nach ARISTOTELES ist eine Eigenschaft (idion), was einer bestimmten Art von Dingen zukommt. Es gibt ursprngliche, primre Eigenschaften (idia hapls) und abgeleitete, secundre Eigenschaften (idia kata symbebkos, propria consecutiva) (Top. VI, 128 b 16). Die gleiche Definition der Eigenschaft bei PORPHYR und BOTHIUS (proprium = id quod soli alicui speciei accidit, Isagog. p. 38). Nach THOMAS ist jede passio eine qualitas, secundum quam fit alteratio (5 met. 20c); passiones heien die Zustnde eines Dinges, quia passionem ingerunt sensibus vel quia ab aliquibus passionibus causantur (7 phys. 4b). CHR. WOLF erklrt: Attributa, quae per omnia essentialia simul determinantur, dicuntur proprietates (Philos. rat. 66). K. ROSENKRANZ bemerkt: Das wahrhafte Ding an sich sind die Unterschiede, welche das Wesen in seine Existenz setzt. Die Unterschiede sind das dem Ding Eigene, wodurch es dies Ding ist. Sie sind seine Eigenschaften. Das Ding ist seine Eigenschaften (Syst. d. Wiss. 109 ff.). HERBART findet im Begriff des einen Dinges (s. d.) mit vielen Eigenschaften einen Widerspruch. Nach LOTZE sind die Eigenschaften nichts, was ein fr allemal die Natur der Dinge ausmachte, sondern sie sind etwas, was den Dingen unter Umstnden widerfhrt, oder Arten, wie sie sich unter Bedingungen verhalten (Gr. d. Met.2, S. 17). WUNDT betont da in einem einigermaen exacten Sinne als Eigenschaften eines Krpers nur solche Prdicate gelten knnen, die ihm dauernd als ihm selbst angehrige Merkmale zukommen, nicht Wirkungen, die der Krper erst ausbt oder empfngt, wenn er unter bestimmte Bedingungen versetzt wird (Phil. Stud. XIII, 386). Der Eigenschaftsbegriff ist eine logische Kategorie (s. d.). Nach UPHUES sind sinnliche, mathematische, mechanische Eigenschaften zu unterscheiden (Psychol. d. Erk. I, S. 43). Nach R. HAMERLING sind die Eigenschaften nicht objektive Wesenheiten der Dinge..., sondern Wirkungen derselben auf unsere Sinne (Atom. d. Will. I, 15). Nach HFFDING sind die Eigenschaften eines Dinges nichts als die verschiedenen Arten und Weisen, wie dieses Ding andere Dinge beeinflut und von diesen beeinflut wird. Sie sind dessen Fhigkeiten des Wirkens und des Leidens (Religionsphil. S. 31). JERUSALEM sieht in den Eigenschaften die potentiellen Wirkungen der Dinge (Lehrb. d. Psychol.3, S. 100). Nach SCHUPPE sind Ding und Eigenschaft Korrelatbegriffe. Was als Eigenschaft gedacht resp. in der Form des Eigenschaftswortes ausgesprochen wird, hat also diese Beziehung schon in sich, da es mit anderem zusammen das so und so benannte Ganze ausmacht, etwas von allem demjenigen ist, was durch die... Gesetzlichkeiten die Einheit eines Dinges ausmacht (Log. S. 131 ff.). Die Eigenschaftsbegriffe verknpfen nicht ein Zusammen von, Erscheinungen auf Grund vermuteter oder erschlossener Zusammengehrigkeit, sondern haben in erster Linie ein Objektsverhltnis und kombinieren Motive, Bedingungen, Zwecke, so da die Mehrheit der wahrnehmbaren Einzelheiten nur als die natrliche Konsequenz aus dem einen Prinzipe und Grunde erscheint (l.c. S. 162). Nach SCHUBERT-SOLDERN ist jede Eigenschaft eines Dinges eine kausale Beziehung zu anderen Dingen (Gr. e. Erk. S. 132); sie ist das an einem Ganzen, einem Zusammen von Daten unterschiedene einzelne Datum oder eine unterschiedene 'Teilgruppe desselben, bezogen auf das Zusammen als kausal oder rumlich zu ihm gehrig (l.c. S. 146).

Die Eigenschaften werden also bald der dinglichen Einheit gegenbergestellt, bald als Bestandteile, Faktoren des Dinges selbst aufgefat. Die Realitt der Eigenschaften anbelangend s. Qualitt. Vgl. Attribut, Zustand.


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