Heraldik der Nachnamen

Die Heraldik der Familiennamen erfordert sehr komplexe und faszinierende Kenntnisse und Studien. Hier können Sie sich über die wichtigsten heraldischen Wappen informieren.

Viele Menschen fragen sich, wie das Wappen zu ihrem Familiennamen aussieht. Heraldik und Nachnamen gehören eng zusammen, aber die Verbindung ist lockerer, als der Handel mit „Familienwappen“ glauben macht: Ein Wappen gehört nie einem Namen, sondern einer Person und ihren Nachkommen.

Deshalb kann es zu einem einzigen Nachnamen mehrere völlig verschiedene Wappen geben – jedes gehört einer anderen Familie, die zufällig denselben Namen trägt. Und umgekehrt: Wer nicht von der Linie abstammt, für die ein Wappen einst verliehen oder angenommen wurde, hat nach heraldischem Brauch kein Recht darauf.

Das macht die Sache nicht weniger interessant, im Gegenteil. Auf diesen Seiten finden Sie zu jedem Nachnamen, was wirklich bekannt ist: die Wappen, die mit ihm überliefert sind, ihre Blasonierung, ihre Symbolik und die Länder, in denen der Name heute vorkommt. Und weiter unten alles, was Sie brauchen, um ein Wappen zu lesen – oder Ihr eigenes zu entwerfen.

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Heraldik und ihre Symbolik

Erfahren Sie alles über die Symbolik der Heraldik - von Wappen über Farben und Tiere bis hin zu historischen Bedeutungen. Jetzt mehr dazu in unserem Blog!

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Was ist Heraldik?

Die Heraldik ist eine der historischen Hilfswissenschaften. Ihr Name kommt vom Herold. Im Mittelalter waren Herolde weit mehr als Ausrufer: Sie überbrachten Botschaften zwischen verfeindeten Heeren, sagten den Kampf an, beobachteten das Turnier und schrieben auf, wer welche Zeichen führte. Aus dieser Buchführung entstand ein Regelwerk – und aus dem Regelwerk eine Wissenschaft.

Denn genau das war die schwierige Aufgabe der Herolde: Sie mussten prüfen, ob ein Ritter die Zeichen, die er auf Schild und Waffenrock trug, überhaupt führen durfte. Sie kannten die Wappen der großen Häuser auswendig, legten Wappenrollen an und entschieden bei Streit, wer im Recht war. Die ältesten erhaltenen Wappenrollen – die Zürcher Wappenrolle etwa, um 1340 – sind bis heute die wichtigste Quelle für die frühe Heraldik im deutschen Sprachraum.

Entstanden ist die Wappenkunst im Hochmittelalter, im 12. Jahrhundert, und zwar aus einem sehr praktischen Grund: Der geschlossene Topfhelm machte den Träger unkenntlich. Wer im Getümmel Freund von Feind unterscheiden wollte, brauchte ein Zeichen, das aus der Entfernung eindeutig war. Deshalb sind Wappen flächig, kontrastreich und stark vereinfacht – sie waren Erkennungszeichen, bevor sie Schmuck wurden.

Vom Schild wanderte das Zeichen dann überallhin: auf Siegel, auf Grabplatten, auf Fahnen, auf Hausmarken, auf Glasfenster, auf Buchmalerei. Und weil das Siegel den Vertrag beglaubigte, wurde das Wappen zum Rechtszeichen. Spätestens im 13. Jahrhundert war es erblich geworden – und damit endgültig mit dem Familiennamen verknüpft.

Bürgerliche Wappen: eine deutsche Besonderheit

Ein Missverständnis, das sich hartnäckig hält: Wappen seien dem Adel vorbehalten gewesen. Im deutschen Sprachraum stimmt das gerade nicht. Neben den Adelswappen gab es früh und in großer Zahl bürgerliche Wappen – von Kaufleuten, Ratsherren, Handwerksmeistern, Gelehrten, Zünften und ganzen Städten. Wer siegeln musste, führte ein Zeichen, und wer ein Zeichen führte, hatte ein Wappen.

Viele dieser bürgerlichen Wappen sind redende Wappen: Sie bilden den Namen ab. Ein Vogel im Schild bei einem Vogler, drei Ringe bei einem Ringer, ein Hammer bei einem Schmied. Wenn Sie zu einem Nachnamen ein Wappen sehen, dessen Figur verdächtig genau zum Wortstamm passt, ist das kein Zufall, sondern die häufigste Bildlogik der ganzen Heraldik.

Rechtlich gilt in Deutschland bis heute: Ein neu angenommenes bürgerliches Wappen wird nicht verliehen und nicht genehmigt, es wird geführt. Geschützt ist es als Namensrecht nach § 12 BGB, sobald es geführt und – üblicherweise – in einer Wappenrolle eingetragen ist.

Wie ein Wappen aufgebaut ist

Das vollständige Wappen besteht aus dem Schild und dem Oberwappen. Der Schild allein genügt; alles andere ist Zutat, wenn auch eine sehr aussagekräftige.

Tinkturen: Farben, Metalle und Pelzwerk

Die Heraldik kennt keine beliebigen Farben, sondern Tinkturen, und davon nur wenige. Zwei Metalle: Gold (Gelb) und Silber (Weiß). Vier bis fünf Farben: Rot, Blau, Schwarz, Grün und – seltener – Purpur. Dazu das Pelzwerk, Hermelin und Feh, das nicht über die Farbe, sondern über das Muster bestimmt ist.

Diese Deutungen sind allerdings jünger als die Wappen selbst: Sie stammen aus der Wappenliteratur der frühen Neuzeit und wurden den mittelalterlichen Schilden nachträglich untergelegt. Wer ein Wappen aus dem 13. Jahrhundert deutet, sollte das im Kopf behalten.

Die eine Regel, die wirklich gilt

Von allen heraldischen Regeln ist eine unumstritten – die Farbregel: kein Metall auf Metall, keine Farbe auf Farbe. Gold darf nicht auf Silber liegen, Rot nicht auf Blau. Der Grund ist wieder ein praktischer: Zwei Farben nebeneinander verschwimmen auf Entfernung, Farbe auf Metall bleibt lesbar. Ausnahmen gibt es, und die berühmteste – das Königreich Jerusalem mit goldenen Kreuzen auf Silber – war schon den Zeitgenossen so auffällig, dass sie eigens erklärt wurde.

Heroldsbilder und gemeine Figuren

Was im Schild liegt, teilt die Heraldik in zwei Gruppen. Heroldsbilder entstehen aus der Teilung der Schildfläche selbst: Pfahl, Balken, Schrägbalken, Sparren, Kreuz, Bord, Spitze. Gemeine Figuren sind alles, was abgebildet wird: Löwe und Adler vor allen anderen, dann Bär, Hirsch, Fisch, Rose, Lilie, Stern, Mond, Turm, Rad, Anker, Schlüssel, Werkzeuge, menschliche Gestalten.

Wichtig für das Verständnis: Die heraldische Figur ist kein Porträt. Ein Löwe im Wappen ist nicht ein bestimmter Löwe, sondern der Löwe – stilisiert, in immer derselben Haltung, mit immer derselben Kraft der Linie. Deshalb ist ein Wappen auch nicht durch seine Zeichnung definiert, sondern durch seine Beschreibung.

Die Blasonierung

Diese Beschreibung heißt Blasonierung, und sie ist das eigentliche Wappen. Sie folgt einer festen Reihenfolge: zuerst das Feld, dann die Hauptfigur, dann die Beizeichen, zuletzt das Oberwappen. „In Blau ein goldener Löwe“ – das ist ein vollständiges Wappen. Ob der Löwe schlank oder gedrungen gezeichnet wird, ob der Blauton hell oder dunkel ist, bleibt dem Künstler überlassen. Zwei Darstellungen desselben Wappens dürfen sehr verschieden aussehen und sind trotzdem dasselbe Wappen.

Eine Eigenheit, die immer wieder für Verwirrung sorgt: Rechts und links werden vom Schildträger aus gesehen, nicht vom Betrachter. Die heraldisch rechte Seite liegt für den Betrachter also links.

Warum sich Wappen verändern

Ein Wappen ist nicht für immer festgelegt. Es ändert sich, wenn sich die Familie ändert:

Wenn Sie also zu Ihrem Nachnamen zwei ähnliche, aber nicht gleiche Wappen finden, ist das meistens kein Fehler in der Überlieferung – es sind zwei Zweige derselben Familie.

Und wenn es zu meinem Namen kein Wappen gibt?

Dann sind Sie in bester Gesellschaft – und die Sache ist leichter zu lösen, als Sie denken. Im deutschen Sprachraum darf jede Person ein Wappen annehmen und führen. Es braucht dafür keinen Adelstitel, keine Behörde und keine Genehmigung. Wappenführung ist Namensrecht, kein Standesrecht.

Wer ein eigenes Wappen annimmt, sollte drei Dinge beachten. Erstens: Es muss neu sein. Ein fremdes Wappen zu übernehmen, nur weil dort derselbe Nachname steht, ist genau das, was man nicht tun sollte – es ist die Anmaßung eines fremden Zeichens. Zweitens: Es muss den Regeln folgen, vor allem der Farbregel. Ein Entwurf, der Rot auf Blau setzt, ist kein Wappen, sondern ein Logo. Drittens: Es sollte einfach sein. Die stärksten Wappen der Geschichte bestehen aus zwei Farben und einer Figur.

Die Wappen anderer Träger Ihres Namens sind dabei die beste Inspirationsquelle. Sehen Sie sich an, welche Figuren dort auftauchen, ob der Name redend dargestellt wurde, welche Farben die Region bevorzugte. Daraus lässt sich ein eigener Entwurf entwickeln, der in derselben Bildsprache spricht, ohne fremdes Eigentum zu übernehmen.

Damit ein neues Wappen nachweisbar und dauerhaft ist, wird es üblicherweise in eine Wappenrolle eingetragen und veröffentlicht. Erst die Veröffentlichung macht es überprüfbar – und schützt Sie davor, dass jemand anderes unwissentlich dasselbe Zeichen annimmt.

Wappen und persönliche Marke

In den letzten Jahren hat die Heraldik unerwarteten Zulauf bekommen, weil viele Menschen ein persönliches Zeichen suchen, das mehr Bestand hat als ein Logo. Der Unterschied ist real: Ein Logo wird alle paar Jahre überarbeitet, ein Wappen wird vererbt. Ein Logo gehört einem Unternehmen, ein Wappen einer Person und ihrer Nachkommenschaft.

Aber ein Wappen macht niemanden vornehm. Es hält fest, wer jemand war und wofür er einstand – nicht mehr und nicht weniger. Wenn Sie sich also für ein eigenes Wappen entscheiden, entwerfen Sie es so, dass es in hundert Jahren noch etwas über Sie aussagt.