Wenig mediales Augenmerk wurde bisher auf die Rolle von Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger am Angriff auf BUWOG-Richterin Marion Hohenecker gelegt. Diese sollte mit gefälschten Unterlagen desavouiert werden, um im Idealfall eine Aufhebung des rechtskräftigen Urteils gegen Karl-Heinz Grasser und Co. zu erreichen.
Zu der Zeit, als Meischberger vorgeblich zu krank für den Antritt einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe war, war er am Vorgehen gegen Hohenecker beteiligt.
Grasser und Meischberger verurteilt
Neben Ex-Finanzminister Grasser wurde auch dessen Trauzeuge Meischberger in der BUWOG-Causa rechtskräftig schwerster Straftaten für schuldig befunden. Im März 2025 bestätigte der Oberste Gerichtshof (OGH) den erstinstanzlichen Schuldspruch des Wiener Landesgerichts, die über den gelernten Tiroler Heizungstechniker und späteren FPÖ-Generalsekretär verhängte Freiheitsstrafe wurde von sieben auf dreieinhalb Jahre gesenkt.
Im Unterschied zu Grasser, der seine vierjährige Haftstrafe am 2. Juni 2025 antrat, rückte Meischberger aber nicht in die Justizanstalt (JA) Korneuburg ein. Er machte Vollzugsuntauglichkeit aus gesundheitlichen Gründen geltend.
Während Einspruch bei Böhmdorfer als „Hilfsperson“ tätig
Der zuständige Richter am Landesgericht ließ das von einem medizinischen Sachverständigen überprüfen. Dieser kam zu dem Schluss, dass Meischberger nicht krank genug für einen Haftaufschub sei. Der Antrag auf Haftverschonung wurde daher abgewiesen. Dagegen legte Meischberger Rechtsmittel beim Oberlandesgericht (OLG) Wien ein.
Just während sich das OLG mit Meischbergers Vorbringen befasste, seine angeschlagene Gesundheit lasse es nicht zu, ins Gefängnis zu gehen, beteiligte sich Meischberger als „Hilfskraft“ für Grasser-Anwalt Dieter Böhmdorfer am Vorgehen gegen BUWOG-Richter Hohenecker. Das räumte Böhmdorfer selbst in einem mit 3. Juni 2026 datierten Schreiben an die Staatsanwaltschaft Wien ein, das der APA vorliegt.
Beschuldigter spricht von mehreren Treffen
Was Meischberger konkret tat, ergibt sich aus Angaben des mutmaßlichen Urkundenfälschers, der den Grasser-Anwälten vorgebliche Hohenecker-Mails vorgelegt hatte, die sich als gefälscht herausstellten.
Gegenüber dem Bundesamt für Korruptionsbekämpfung (BAK) erklärte der 60-Jährige, er habe Meischberger bei einem Treffen in der Kanzlei von Grasser-Anwalt Norbert Wess kennengelernt und sich in der Folge stundenlang bei mehreren Treffen mit ihm unterhalten. Gegen den Mann ist mittlerweile ein Ermittlungsverfahren wegen Verleumdung, Urkundenfälschung und schweren gewerbsmäßigen Betrugs anhängig.