Chalamisch
| Chalamisch חַלָּמִישׁ | ||
|---|---|---|
| Gebiet: | Westjordanland | |
| Gemeindeart: | Regionalverwaltung | |
| Regionalverwaltung: | Mateh Benjamin | |
| Gegründet: | 1977 | |
| Koordinaten: | 32° 0′ N, 35° 8′ O | |
| Einwohner: | 1.314 (2017[1]) | |
| Website: | ||
Chalamisch (hebräisch חַלָּמִישׁ, deutsch Kiesel) manchmal auch Newe Zuf (hebräisch נְוֵה צוּף/נווה צוף) genannt, ist eine israelische Siedlung im Westjordanland. Die Gemeinschaftssiedlung gehört zu der Regionalverwaltung Mateh Benjamin.
Völkerrechtlicher und administrativer Status
[Quelltext bearbeiten]Chalamisch liegt im seit dem Sechstagekrieg von 1967 von Israel besetzten Westjordanland. Gemäß dem 1995 im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses geschlossenen Interimsabkommens (Oslo II) befindet sich die Siedlung im sogenannten Gebiet C, in dem Israel die ausschließliche zivile Administration und militärische Sicherheitskontrolle ausübt.[2][3]
Der Bau und die fortdauernde Präsenz der israelischen Siedlungen verstoßen nach international vorherrschender Rechtsauffassung gegen das Völkerrecht. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) sowie der Internationale Gerichtshof (IGH)[4][5] stufen das Westjordanland als besetztes Gebiet ein, auf das die Bestimmungen der IV. Genfer Konvention Anwendung finden. Gemäß Art. 49 Abs. 6 dieser Konvention ist es der Besatzungsmacht untersagt, Teile ihrer eigenen Zivilbevölkerung in das besetzte Gebiet zu transferieren.[6][7]
Diese Rechtsauffassung wurde unter anderem im Dezember 2016 durch die Resolution 2334 des UN-Sicherheitsrates bekräftigt, in der festgestellt wird, dass israelische Siedlungsaktivitäten keine Rechtsgültigkeit besitzen und eine eklatante Verletzung des Völkerrechts darstellen.[8] Die israelische Regierung bestreitet[9] die Anwendbarkeit von Art. 49 Abs. 6 GK IV[10] auf das Westjordanland[11] unter Berufung darauf, dass das Gebiet vor 1967 unter keiner international anerkannten Souveränität gestanden habe und die Siedler freiwillig dorthin zögen. Diese Rechtsauffassung wird von den Vereinten Nationen, dem Internationalen Gerichtshof sowie den Vertragsparteien der Genfer Konventionen nahezu einhellig zurückgewiesen,[12][13][14] und steht im Widerspruch zu internen Dokumenten der israelischen Regierung von 1967.[15]
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Chalamisch wurde offiziell am 1. November 1977 gegründet. Am 16. Oktober 1977 zogen zwei Gruppen von Siedlern, eine religiöse, die sich Newe Zuf (hebräisch נְוֵה צוּף) nannte und eine säkulare mit dem Namen Newe Zela (hebräisch נְוֵה צֶלַע), insgesamt 40 Familien, in das verlassene ehemalige britische Tegart-Fort in der Nähe des Dorfes Nabi Salih. Der ursprüngliche Name der Siedlung, Newe Zuf, wurde von dem Benennungskomitee der Regierung mit der Begründung abgelehnt, dass er irreführend sei, da der biblische Ort Erez Zuf (hebräisch אֶרֶץ צוּף) anderswo war. Das Benennungskomitee gab der neuen Siedlung stattdessen den offiziellen Namen Chalamisch, der von einem Bibelvers herstammt[16]: Gott "ließ ihn Öl aus dem Kiesel-Felsen saugen." (Deuteronomium 32,13). Da dieser von einigen Bewohnern abgelehnt wurde, werden beide Namen verwendet.
Am 21. Juli 2017 wurden drei Mitglieder einer Familie in Chalamisch von einem palästinensischen Terroristen ermordet. Die Familie war zusammengekommen um die Geburt eines Kindes feiern. Der Attentäter ermordete zuerst die 46-jährige Chaja Salomon. Dann stach er auf deren 68 Jahre alte Mutter Tova Salomon ein, die schwer verletzt überlebt. Danach tötete er den 36-jährigen Elad Salomon. Auf Josef Salomon stach er 15-mal ein, bis sich der 70-Jährige nicht mehr bewegte. Ein Soldat außer Dienst, der sich im Nachbarhaus aufhielt verwundete den Angreifer. Der Attentäter wurde im Februar 2018 zu dreimal lebenslänglich verurteilt.[17]
Demografie
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]2017 zählte die Siedlung 1.314 Einwohner.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Archivierte Kopie ( vom 16. August 2016 im Internet Archive) Israelisches Zentralbüro für Statistik. Abgerufen am 8. April 2024.
- ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 65 f., abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
Vergleiche medico international: Was sind die C-Gebiete? 2. Juli 2020, abgerufen am 22. Oktober 2026. - ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Naher Osten: Westjordanland. In: Informationen zur politischen Bildung. 2021 (bpb.de [PDF; abgerufen am 22. Oktober 2026]).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory – Advisory Opinion. In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Legal Consequences Arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory, including East Jerusalem – Summary of the Advisory Opinion of 19 July 2024. (PDF; 350 kB) In: UNISPAL. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ Legal Consequences arising from the Policies and Practices of Israel in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 19. Juli 2024, S. Rn. 111–115, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Resolution 2334 (2016). Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, 23. Dezember 2016, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ Israeli Settlements and International Law. Israel Ministry of Foreign Affairs, 30. November 2015, abgerufen am 22. Oktober 2026 (englisch).
- ↑ IKRK: Protecting civilians in good faith: The Updated Commentary on the Fourth Geneva Convention. 8. November 2025, abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ un.org - Conference of High Contracting Parties to the Fourth Geneva Convention: Declaration. Geneva, 5 December 2001
- ↑ David Kretzmer (2017): Settlements in the Supreme Court of Israel ("The UN Security Council, the International Court of Justice (ICJ), and the International Committee of the Red Cross, as well as many states, have declared that by establishing civilian settlements in the OPT Israel violates Article 49(6) of the Fourth Geneva Convention, which prohibits an occupying power from transferring part of its civilian population into the occupied territory. Notwithstanding this legal consensus...")
- ↑ Yoram Dinstein: The International Law of Belligerent Occupation. 2. Auflage. Cambridge University Press, Cambridge 2019, ISBN 978-1-108-49811-1, S. 289–292 (englisch).
- ↑ Legal Consequences of the Construction of a Wall in the Occupied Palestinian Territory. Internationaler Gerichtshof, 9. Juli 2004, S. Rn. 90–101, 120, abgerufen am 22. Oktober 2026.
- ↑ Memorandum from Theodor Meron, Legal Adviser, Ministry of Foreign Affairs of Israel to Director General, Prime Minister's Office on Geneva Convention: Blasting Homes and Deportation (Mar. 12, 1968), translation provided by HaMoked: Center for the Defence of the Individual, PDF on militarycourtwatch.org. Discussed by the Autor himself in Theodor Meron: "The West Bank and International Humanitarian Law on the Eve of the Fiftieth Anniversary of the Six-Day War", Cambridge University Press,10 May 2017.
- ↑ Scheel, Wolfgang: Lexikon biblischer Ortsbenennungen im modernen Israel, 4. Auflage 2013, ISBN 978-3-933750-32-7, S. 76.
- ↑ Terrorist muss lebenslang ins Gefängnis. In: Israelnetz.de. 16. Februar 2018, abgerufen am 22. Januar 2019.
