Der US-amerikanische Philosoph Peter Kwasniewski hat ein Buch unter dem Titel "Der alte und kÞnftige RÃķmische Ritus" herausgebracht, in dem er seine BeitrÃĪge zur liturgischen Krise aus dem Netz zusammenfaÃt (z. B. hier). Er hat sich in das Thema eingegraben und bietet viele wichtige Erkenntnisse, ist aber auch ein "katholibanischer Hardliner", wenn er z. B. die Verurteilung der Todesstrafe durch die Kirche kritisiert.
Nachdem ich das Buch halb gelesen habe, hier ein Ãberblick, Funde und Zitate (ohne Anspruch auf wissenschaftlich genaue Zitation):
Kernthesen:
- Der Papst hatte weder das Recht noch die AutoritÃĪt, einen neuen Ritus zu schaffen.
- Die Liturgiereform ist ein einmaliges Ereignis in der Kirchengeschichte und eine Blasphemie, weil sie das von Christus verheiÃene Wirken des Heiligen Geistes seit Beginn der Kirche in Zweifel stellt.
- Nur 13% der alten Orationen sind unverÃĪndert in das neue Missale Þbernommen worden. Die traditionelle "lex orandi" ist damit als "lex credendi" desavouiert worden.
- Die "Riten" Pauls VI. sind nach dem MaÃstab der kirchlichen Tradition keine Riten (vgl. 4).
- Die Liturgiereform ist Folge der neuscholastischen EngfÞhrung auf die GÞltigkeit der Sakramente.
- Der "Ordo Novus" wird seiner Aufgabe (Teilnahme an der Anbetung im Himmel, Vereinigung in der Gegenwart des Herrn) nicht gerecht.
Bemerkenswerte Frage:
"Warum waren es in der Zeit der COVID-Panik und der Abriegelung vor allem die traditionellen Priester, die weiterhin Messen abhielten, wenn nÃķtig auch im Geheimen, und die traditionellen GlÃĪubigen, die sich weiterhin bemÞhten, zur Messe zu kommen - wÃĪhrend die Ordo-Novos-Welt (...) in eine Art Winterschlaf verfiel? Warum waren die der Tradition verbundenen Laien bereit, selbst zur Messe zu gehen, und gleichzeitig, wenn der Bischof die Mundkommunion verboten hatte, ebenso bereit, den Leib Christi nicht zu empfangen, aus tiefster Achtung vor dem, was wÞrdig und recht ist?" (188f)
Hinweise und Zitate:
1. Der hl. Basilius nennt im Neuen Testament nicht genannte urchristliche Traditionen wie das Kreuzzeichen, das Gebet nach Osten, die Epiklese bei der Eucharistie, die Segnung des Taufwassers, des Ãles und des TÃĪuflings. (32)
2. "Man betritt die Kirche durch zwei TÞren: durch die TÞr der Intelligenz und durch die TÞr der SchÃķnheit." (Dom Gerald Calvet mit Bezug auf Thomas von Aquin, 50)
3. Die angemessene Haltung beim Opfer ist "Demut, Ehrfurcht, Hingabe, Zerknirschung, Selbstaufgabe, stille Freude." (53)
4. Merkmale traditioneller Liturgien (64ff):
"1. In allen traditionellen Liturgien (...) werden die heiligen Geheimnisse mit dem Blick (...) nach Osten gefeiert. (...)
2. Alle traditionellen Liturgien (...) verwenden eine eine alte und feststehende Anaphora (Hochgebet). (...)
3. In allen traditionellen Liturgien (...) gibt es kunstvolle Offertorien, mit denen der Opfersinn von Brot und Wein deutlich zum Ausdruck gebracht wird. (...)
4. In allen traditionellen Liturgien (...) wird das Allerheiligste Sakrament mit grÃķÃter Verehrung behandelt. (...)
5. Alle traditionelle Liturgien (...) sind hierarchisch aufgebaut. (...)
6. (In allen) traditionellen Liturgien (ist) der Altarraum (...) klar vom Kirchenschiff getrennt. (...)
7. In allen traditionellen Liturgien (...) werden die liturgischen Texte nach uralten Weisen gesungen. (...)
8. Alle traditionellen Liturgien (...) werden in gehobener Sprache vollzogen."
"Im authentisch christlichen Gottesdienst muà man das heilige Opfer mit Blick auf den liturgischen Osten darbringen; man muà eine festgelegte Anaphora verwenden; man muà (...) seine Absicht, das gÃķttliche Opfer darzubringen, unzweideutig zum Ausdruck bringen; man muà das Allerheiligste Sakrament mir grÃķÃter Ehrfurcht berÞhren, konsumieren und austeilen und dabei die ontologischen Unterschiede (...) beachten; man muà die wechselseitige ParallelitÃĪt von Liturgie, Theologie und Architektur respektieren; und man muà die vom Ritus vorgeschriebenen Antiphonen, Orationen und Lesungen sprechen oder singen, die (...) einen reifen Ausdruck der Lehre und FrÃķmmigkeit bilden."
5. "Waren (die PÃĪpste der Liturgiereform) sich bewuÃt, daà sie sich dem Werk Gottes widersetzten? Aber wie konnten sie sich dessen Þberhaupt nicht bewuÃt sein? Und wenn sie durch die AtmosphÃĪre ermutigt wurden (...) oder durch das auftrumpfende Gehabe des ,aggiornamento' - kÃķnnen wir dann nicht sagen, daà sie es hÃĪtten bemerken mÞssen?" (76, Anm. 45)
6.1 Werk des Hl. Geistes/SÞnde wider ihn (82ff):
"In seiner (...) Enzyklika (...) ,Mediator Dei' wies Papst Pius XII. auf eine irrige Tendenz (...) bei einigen Avantgardisten der Liturgischen Bewegung (hin), ,die darauf aus sind, alle alten Riten und Zeremonien unkritisch wiederherzustellen. (...) Auch die neueren liturgischen Riten sind ehrfÞrchtiger Beobachtung wÞrdig, weil sie unter Eingebung des Heiligen Geistes entstanden sind.' (...) Erstens macht die Tatsache, daà etwas ÃĪlter ist, es nicht ipso facto besser, und zweitens ist die geschichtliche Entwicklung der Liturgie (...) ein von (Gott) gewollter Plan, (...) um die Glieder seines mystischen Leibes zu heiligen. (...) Die Liturgie in ihrer diachronen Gesamtheit (...) wurde liebevoll bewahrt und Þberliefert durch die Ordnung der gÃķttlichen Vorsehung, die kein Papst zu stÃķren oder zu bekÃĪmpfen wagte."
6.2 Die sechs Arten der "SÞnden gegen den Heiligen Geist" nach Petrus Lombardus im Fall der Liturgiereform (90):
- Verzweiflung (daà der alte Ritus keine Frucht brÃĪchte)
- Vermessenheit (Riten zu schaffen, die den Þberlieferten Þberlegen seien)
- UnbuÃfertigkeit (den offensichtlichen Schaden zu bereuen)
- Halsstarrigkeit (gegen die AnsprÞche der Tradition)
- Kampf gegen die anerkannte Wahrheit
- Neid auf die Begnadigung des Bruders (im Blick auf die byzantinische Tradition)
7. Die "kuriose DiÃķzesansynode (von Pistoia [1786]) mit jansenistischer Ausrichtung (...) verabschiedete (die) Abschaffung von AblÃĪssen, Festtagen und Prozessionen sowie die EinfÞhrung der Volkssprache in die Liturgie. (...) Die Behauptung von Pistoia, die katholische Kirche habe die wahren Prinzipien der Liturgie faktisch vergessen, ist genau die Behauptung, die spÃĪter von den Liturgikern im 20. Jahrhundert (...) aufgestellt werden sollte." (85f)
8. "Der Reformismus von Paul VI. (verletzt) die grundlegende Wahrheit (nach dem hl. Gregor von Nazianz, vgl. Dom GuÃĄranger und Pius XII.): Von Pfingsten bis zum Ende der Zeit ist die Kirche der Wirkungsbereich des Heiligen Geistes - und die vollkommenste Handlung und Ausdrucksform der Kirche ist die heilige Liturgie." (86)
9. "Wurden wir nach Konstantin, nach dem Mittelalter oder nach dem Konzil von Trient zu Waisen? (...) Wir verunglimpfen unseren Herrn Jesus Christus und seinen Heiligen Geist, wenn wir ein spÃĪteres Zeitalter fÞr so anders, so neuartig, so unÞbersichtlich, so mit einzigartiger GenialitÃĪt erfÞllt halten, daà es neu beginnen muÃ, indem es die Fesseln, die es an die Vergangenheit binden, durchschneidet und die Gaben der Tradition zurÞckweist oder wegstÃķÃt, um sich zu ,modernisieren', das heiÃt: die Katholiken zu Waisen oder Fremden in ihrem eigenen Haus zu machen. TatsÃĪchlich ist ein solcher Ansatz der einzige, der ganz sicher nicht eine Gabe des Heiligen Geistes sein kann." (87)
10. "Von den 1950er bis zu den 1970er Jahren wurde (in allen Sakramenten und Sakramentalien) buchstÃĪblich nichts unangetastet gelassen. Das war keine Revision, sondern eine Negation, keine Reform, sondern eine Revolution. Und es erinnert auf verstÃķrende Weise an die Gnostiker der Antike, die bestritten, daà Jesus Christus im Fleisch gekommen ist." (88)
11. Die "Optionitis (des Ordo Novus) ist in Verbindung mit der gegenwÃĪrtigen kirchlichen Machtstruktur eine tÃķdliche Kombination: Es genÞgt eine einzige Beschwerde beim Bischof, und zack! ist Pater ,Incensa Multa' ("viel Weihrauch", vgl. Offb 8,3) weg (...), und Pater ,Plaudite Manibus' ("Klatscht in die HÃĪnde", vgl. Ps 46/47, 2) kommt hereingewirbelt und zerstÃķrt in wenigen Wochen die Arbeit der VerschÃķnerung und Sakralisierung." (92)
12. Die traditionelle Messe ist "tiefer in ihrer Theologie, wahrhaftiger gegenÞber der menschlichen Natur, gehorsamer gegenÞber der Offenbarung, schÃķner in ihrer Darstellung, (...) sogar emotional aufrÞhrender, wenn auch auf subtilere Weise, (...) unerschÃķpflich, (...) ein unendlicher Blick rÞckwÃĪrts in die Geschichte, vorwÃĪrts in die Ewigkeit, nach auÃen in die Kultur und nach oben in die Heimat." (93)
13. "(Christus) ist der GÃĪrtner, der den Boden bereits umgegraben, die Samen gepflanzt und ihr Wachstum zu einem Obstgarten mit den schÃķnsten, ergiebigsten und nÃĪhrendsten ObstbÃĪumen begleitet hat - all die Riten der heiligen Mutter Kirche, die es Ihm ermÃķglichen, mehr und mehr zum GÃĪrtner, zum Lenker, zum vertrauten Gast unserer Seelen zu werden. Das ist es, was wir im Leben der groÃen Mystiker sehen: Es ist die Liturgie, die ihr inneres Leben formt, erdet und durchdringt, es gesund, stark, ausgeglichen, reich und fruchtbar bleiben lÃĪÃt und davor bewahrt, in Beliebigkeit, SentimentalitÃĪt, Idiosynkrasie, Stolz oder Eitelkeit abzurutschen." (Wir brauchen) vor allem den objektiven Inhalt des ,usus antiquior' (...). Er wurde vom Heiligen Geist aus dem Schoà der Kirche hervorgebracht, (...) er wurde von der Vorsehung mit Blick auf unsere universellen menschlichen BedÞrfnisse und die heiligen SehnsÞchte gegeben; er war und bleibt (...) ein angemessener Thron, um das grÃķÃte Geschenk von allen zu empfangen, Seinen Sohn. (...) Die Zeremonien des ,usus antiquior' (vermitteln) sichtbar und kraftvoll den katholischen Glauben in seinem gleiÃenden Licht der Wahrheit und seiner furchtlosen Auseinandersetzung mit der Finsternis." (93-95)
14. "Noch niemals in der gesamten Geschichte des (...) Christentums hat es etwas gegeben, das auch nur im Entferntesten an die QuantitÃĪt und QualitÃĪt der VerÃĪnderungen heranreichte, die (...) zwischen etwa 1963 bis 1971 stattfanden." (97f)
15. "Das Missale (Pauls VI. ist) nicht eine FÞlle von antiken Quellen, sondern eine sorgfÃĪltig gefilterte und umgeschriebene Interpretation aus den 1960er Jahren. (...) Nur 13 Prozent der Gebete des alten MeÃbuchs (fanden) unverÃĪndert ihren Weg in das neue MeÃbuch. (...) HeiÃt das, daà 87 Prozent der Orationen tatsÃĪchlich mangelhaft oder ÞberholungsbedÞrftig waren?" (103f)
16. "Der Papst hat nicht die ontologische Macht, zu (...) erklÃĪren, daà der ,usus antiquior' nicht die ,lex orandi' des rÃķmischen Ritus ist. Nicht einmal Gott hat die Macht, die Vergangenheit zu ÃĪndern oder das Gesetz des ausgeschlossenen Widerspruchs zu verletzen." (110)
17. "Solange wir nicht sagen wollen, daà der Herr gelogen hat, als er versprach, bis zum Ende der Welt immer bei seiner Kirche zu sein, oder solange wir nicht sagen wollen, daà der Heilige Geist die Kirche nicht in die FÞlle der Wahrheit gefÞhrt hat, sondern es stattdessen zugelassen hat, daà sie sich jahrhundertelang schlimm verirrt und verzettelt hat - so lange werden wir es nicht wagen, die Liturgie abzuschaffen oder radikal zu verÃĪndern." (110)
18. "Eine Liturgie, (die) mit dezidiert anti-traditionellen Absichten zusammengestellt wurde, (ist) keine ,lebendige Wirklichkeit' (...), kein ,Ausdruck des Lebens der Kirche', der ,den Glauben, das Gebet und das Leben ganzer Generationen in sich vereint'." (112, mit Bezug auf Papst Benedikt XVI.)
19. "Nie hat es sich mehr bewahrheitet, daà Experten wie Brunnen sind - tief an einem einzigen Punkt, aber eng und kalt. (...) Letztlich ist das Consilium eine hervorragend organisierte RÃĪuberbande." (113)
20. Tradition sind die Riten, so "wie sie waren, bevor das moderne Laster der ,Bastelsucht' die GemÞter der KirchenmÃĪnner im 20. Jahrhundert in Beschlag nahm." (114)
21. "Die Liturgie in ihren groÃen Entwicklungslinien ist der Wille des Vaters. Die Liturgiereformer haben also gegen seinen Willen gehandelt." (116, Verweis auf Mt 7,21)
22. "Das Pontifikat von Franziskus (ist) wirklich ein Zeitpunkt der Gnade, eine Zeit des Aufwachens, eine Gelegenheit, zu erkennen, daà wir unser Erbe verschleudert haben und jetzt unsere Torheit bereuen mÞssen." (116f)
23. "Ein grundlegendes Problem dieses Narrativs (die Neue Messe sei von dem gutmeinenden Papst Paul VI. auch in Latein und choraliter gefeiert gedacht gewesen und dann von europÃĪischen und amerikanischen Progressiven ,gekapert' worden) besteht darin, daà es nicht stimmt. Die drei Generalaudienzen (am 17. 3. 1965, 19. 11. 1969 - dazu auch hier - und 26. 11. 1969) zeigen, daà Paul VI. nie daran dachte oder es wÞnschte, daà er Ordo Novus weitgehend in Latein gefeiert wÞrde; er erwartete nie, daà der Gregorianische Choral in den Gemeinden Þberleben wÞrde; er wollte nie, daà ,unsere Messe' wie die Þberlieferte rÃķmische Liturgie aussieht oder klingt. Er nahm es gelassen hin, daà Latein und Gregorianik verschwinden wÞrden." (148)
24. "In einem Akt von Hyperpapalismus (...) handelte Paul VI. im Alleingang gegen die Bestimmungen (der Konzilskonstitution ,Sacrosanctum Concilium'). Er bewies damit einen extremen GrÃķÃenwahn (...) Die einfluÃreichste Person bei der ZerstÃķrung des rÃķmischen Ritus war (er) selbst, ohne dessen stÃĪndige UnterstÞtzung die lahmen Ideen des Consiliums den Tod der meisten wissenschaftlichen Theorien und pastoralen PlÃĪne gestorben wÃĪren. (...) Die (...) Ansprachen Pauls VI. belegen zweifelsfrei, daà der Papst das Ende der 1600jÃĪhrigen Herrschaft der lateinischen Sprache, das Ende der zentralen Bedeutung des gregorianischen Chorals und die Hinwendung der AltÃĪre ,zum Volk' beabsichtigte. Er statuierte vom Thron Petri aus ein starkes Exempel; er lieferte die fadenscheinigen BegrÞndungen." (149f)
25. Die Herausgabe des Graduale Romanum fÞr den Ordo Novus durch die Abtei Solesmes 1974 war zwar ein erster Schritt zurÞck und "ein Zeichen unter vielen, daà man sich die gelesene Messe zum Vorbild genommen hatte, eine auf einen reinen Text reduzierte Liturgie. (...) Nach dem Text der Audienzen zu urteilen, suchte Paul VI. (aber) den Bruch, nicht (...) die KontinuitÃĪt." (148)
26. Das Consiliumsmitglied Joseph Galineau SJ schrieb 1976: "Es handelt sich um eine andere MeÃliturgie. (...) Der Ritus, wie wir ihn kannten, (...) ist zerstÃķrt." (149)
27. "Es ist offensichtlich, daà Paul VI. das Prinzip des Akkommodationismus verfolgte. Die Liturgie sollte an die MentalitÃĪt und die angeblichen BedÞrfnisse des modernen Menschen angepaÃt werden." (149)
28. "Joseph Shaw liefert ein schlagendes Argument, das sich auf die Sprache des Motu proprio (,Summorum Pontificum' Benedikts XVI.) stÞtzt: ,Die (...) Tradition wird nicht durch den Ordo Novus ausgedrÞckt. (...) Daà es einen entscheidenden Unterschied zwischen der ÃĪlteren Tradition und dem Ordo Novus gibt, wird (...) durch die Behauptung in ,Summorum Pontificum' angedeutet, daà das MeÃbuch von 1962 niemals auÃer Kraft gesetzt wurde. (...) Das Missale von 1970 ist (...) ein neues MeÃbuch im Sinne eines Neuanfangs, und deshalb ersetzte es nicht das frÞhere Missale.'" (157f) "WÃĪhrend Benedikt also behauptet, es geben keinen Widerspruch und keinen Bruch, lÃĪÃt er gleichzeitig, und das ist erstaunlich, die Koexistenz zweier kanonisch gleichwertiger Formen ein und desselben liturgischen Ritus zu - eine beispiellose und in vielerlei Hinsicht unverstÃĪndliche Situation." (158)
29. Der "neoscholastische Reduktionismus" sei Kern des Problems. Dieser definiere "im Gegensatz (zur traditionellen) ganzheitlichen Sichtweise (...) das ,Wesen' der Messe (im) Vorhandensein einer ,gÞltigen Konsekration'", um die herum dann alles andere nach pastoralen BedÞrfnissen herumgebastelt werden kÃķnne. (159ff)
30. Das Officium Divinum (Stundengebet) habe "unter Einfluà des liturgischen Reduktionismus (...) noch schlimmer gelitten, denn es besitzt nichts, das der Spendung eines Sakraments (...) gleichkÃĪme. (Darum) ist das (...) Ausmaà seiner Entstellung und BeschÃĪdigung nahezu unbegrenzt." (160, Anm. 15)
31. "Die Messe auf eine gÞltige Weihe zu reduzieren ist so, als wÞrde man den ehelichen Akt auf die erfolgreiche EmpfÃĪngnis eines Kindes reduzieren. (...) Die Gegenwart des sakramentalen Opfers (...) ist in der Liturgie in ihrer Gesamtheit begriffen (...), vorbereitet und gefolgt von einer Manifestation der Liebe. (...) Wenn dies nicht geschieht, dann haben wir es mit einem Gespenst zu tun, das man als ,in-vitro-Transsubstantiation' bezeichnen kÃķnnte." (161f)
32. "Da fast alle, die am Zweiten Vatikanischen Konzil teilnahmen oder fÞr das Consilium arbeiteten, mit diesem neoscholastischem Reduktionismus aufgewachsen waren, meinten sie, die Freiheit und das Recht zu haben, den rÃķmischen Ritus auseinanderzurupfen und umzugestalten, solange sie nur die Worte der Konsekration (mehr oder weniger) intakt lieÃen. (Sie gingen sogar so weit), daà sie die Formel fÞr die Konsekration des Weines verfÃĪlschten, indem sie die Worte ,mysterium fidei' aus ihr entfernten, obwohl diese (wie auch Thomas von Aquin schreibt,) apostolischen Ursprungs sind. (161) "Nur in dieser AtmosphÃĪre (des neoscholastischen Reduktionismus) konnte das frevelhafte Unternehmen der Schaffung eines modernen Ritus in den 1960er Jahren Þberhaupt aufkommen." (172)
"Der moderne Begriff des Fortschritts ist dem Christentum fremd, ja geradezu ein Gegensatz zu ihm. Als GlÃĪubige sind wir immer bestrebt, unserer Vergangenheit ÃĪhnlich zu sein, als ihre demÞtigen und dankbaren Erben." (174)
33. "Paul VI. (hat) den rÃķmischen Ritus (keineswegs) ,revidiert'. Er ersetze (ihn) durch ein neues Ritual, das zwar sakramentale GÞltigkeit besitzt, dem aber die ehrwÞrdige Abstammung fehlt." (177)
34. Zur NeuÞbersetzung der Hymnen unter Urban VIII. und dem Bea-Psalter unter Pius XII.: "Mir scheint, keiner wird jemals in der Geschichte zurÞckblicken und sagen: ,Urbans VIII. EinfÞhrung klassizistischer Hymnen und die EinfÞhrung eines klassizistischen Psalters waren VerÃĪnderungen, die durch die innere Natur des katholischen Gottesdienstes veranlaÃt, ja gefordert wurden und diese besser zu, Ausdruck brachten.'" (203f)
35. "Die Liturgie ist in der Tat eine lebendige RealitÃĪt, (...) weil sie den lebendigen Gott als ihren Ursprung und ihr Lebensprinzip hat, Ihn uns gegenwÃĪrtig macht und uns im Lobpreis und im Sakrament mit Ihm vereint (und) weil sie Inhalte bringt, die vom lebendigen Gott (...) in jedem Abschnitt des Lebens der Kirche verursacht wurden." (206f)
36. Aus dem RÃķmischen MeÃkanon zieht Kwasniewski diese zwÃķlf dogmatischen Wahrheiten (220ff - die TextanfÃĪnge aus dem Hochgebet in Klammern):
(1. Te igitur) "Die Einheit der Kirche und andere Vollkommenheiten sind Gaben, die zu empfangen wir von Gott erbitten."
(2. una cum) "Das Opfer wird fÞr Katholiken dargebracht, die am wahren Glauben festhalten, und sie sind diejenigen, die davon profitieren."
Kwasniewski kommentiert - Beispiel fÞr sein enges, exklusives HeilsverstÃĪndnis: "Wir werden im Kanon gewarnt, dass wir, wenn wir nicht am rechten katholischen Glauben festhalten - am ganzen, unverletzten Glauben - nicht gerettet werden kÃķnnen", und verweist auf Hebr 11,6: "Ohne Glauben ist es unmÃķglich, Gott zu gefallen." Er unterschlÃĪgt, daà es im selben Vers heiÃt, daà Gott "die, die ihn suchen, belohnen wird". Unter letzteren sind ja auch Menschen, die den katholischen Glauben nicht teilen. (224f)
(3. Memento, Domine) "Glaube und Hingabe sind Voraussetzungen fÞr die Teilnahme an der Messe."
(4. Communicantes) "Maria ist immerwÃĪhrend Jungfrau, und Christus ist wahrer Gott."
(5. et omnium Sanctorum) "Wir werden von Gott beschÞtzt aufgrund der Verdienste der Heiligen."
(6. Hanc igitur) Gott der Vater ist Paterfamilias der Kirche, die Seine Familie ist, der Priester ist Sein oberster Diener."
(7. diesque nostros) "Das dem Menschen vorgegebene Schicksal ist die HÃķlle; die auserwÃĪhlten sind von Gott zum ewigen Leben vorherbestimmt."
(8. Quam oblationem) "Das Opfer, das wir darbringen, ist rational, unser Glaube ist vernÞnftig."
(9. Qui pridie) "Christi HÃĪnde - auch die HÃĪnde des Priesters - sind heilig und ehrwÞrdig."
(10. accipens et hunc) "Alle Messen sind auf mystische Weise dasselbe wie das Opfer von Golgotha."
(11. Supra quÃĶ) "Die Christen, die dieses Opfer darbringen, sind die eigentlichen Kinder Abrahams."
(12. Supplices) "Die Messe ist ein irdisches Opfer, das vereint ist mit der ewigen Liturgie im Himmel und uns mit dieser ewigen Liturgie vereint."
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