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Historischer Teil

 

War es uns in dem didaktischen Entwurfe schwer geworden, die Farbenlehre oder Chromatik, in der es brigens wenig oder nichts zu messen gibt, von der Lehre des natrlichen und knstlichen Sehens, der eigentlichen Optik, worin die Mekunst groen Beistand leistet, mglichst zu trennen und sie fr sich zu betrachten, so begegnen wir dieser Schwierigkeit abermals in dem historischen Teile, da alles, was uns aus lterer und neuerer Zeit ber die Farben berichtet worden, sich durch die ganze Naturlehre und besonders durch die Optik gleichsam nur gelegentlich

durchschmiegt und fr sich beinahe niemals Masse bildet. Was wir daher auch sammelten und zusammenstellten, blieb allzusehr Bruchwerk, als da es leicht htte zu einer Geschichte verarbeitet werden knnen, wozu uns berhaupt in der letzten Zeit die Ruhe nicht gegnnt war. Wir entschlossen uns daher, das Gesammelte als Materialien hinzulegen und sie nur durch Stellung und durch Zwischenbetrachtungen einigermaen zu verknpfen.

In diesem dritten Teile also macht uns, nach einem kurzen berblick der Urzeit, die erste Abteilung mit dem bekannt, was die Griechen, von Pythagoras an bis Aristoteles, ber Farben geuert, welches auszugsweise bersetzt gegeben wird; sodann aber Theophrasts Bchlein von den Farben in vollstndiger bersetzung. Dieser ist eine kurze Abhandlung ber die Versatilitt der griechischen und lateinischen Farbenbenennungen beigefgt.

Die zweite Abteilung lt uns einiges von den Rmern erfahren. Die Hauptstelle des Lucretius ist nach Herrn von Knebels bersetzung mitgeteilt, und anstatt uns bei dem Texte des Plinius aufzuhalten, liefern wir eine Geschichte des Kolorits der alten Maler, verfat von Herrn Hofrat Meyer. Sie wird hypothetisch genannt, weil sie nicht sowohl auf Denkmler als auf die Natur des Menschen und den Kunstgang, den derselbe bei freier Entwicklung nehmen mu, gegrndet ist. Betrachtungen ber Farbenlehre und Farbenbehandlungen der Alten folgen hierauf, welche zeigen, da diese mit dem Fundament und den bedeutendsten Erscheinungen der Farbenlehre bekannt und auf einem Wege gewesen, welcher, von den Nachfolgern betreten, frher zum Ziele gefhrt htte. Ein kurzer Nachtrag enthlt einiges ber Seneca. An dieser Stelle ist es nun Pflicht des Verfassers, dankbar zu bekennen, wie sehr ihm bei Bearbeitung dieser Epochen sowohl als berhaupt des ganzen Werkes, die einsichtige Teilnahme eines mehrjhrigen Hausfreundes und Studiengenossen, Herrn Dr. Riemers, frderlich und behlflich gewesen.

In der dritten Abteilung wird von jener traurigen Zwischenzeit gesprochen, in welcher die Welt der Barbarei unterlegen. Hier tritt vorzglich die Betrachtung ein, da nach Zerstrung einer groen Vorwelt die Trmmer, welche sich in die neue Zeit hinberretten, nicht als ein Lebendiges, Eignes, sondern als ein Fremdes, Totes wirken und da Buchstabe und Wort mehr als Sinn und Geist betrachtet werden. Die drei groen Hauptmassen der berlieferung, die Werke des Aristoteles, des Plato und die Bibel treten heraus. Wie die Autoritt sich festsetzt, wird dargetan. Doch wie das Genie immer wieder geboren wird, wieder hervordringt und bei einigermaen gnstigen Umstnden lebendig wirkt, so erscheint auch sogleich am Rande einer solchen dunkeln Zeit Roger Bacon, eine der reinsten, liebenwrdigsten Gestalten, von denen uns in der Geschichte der Wissenschaften Kunde geworden. Nur weniges indessen, was sich auf Farbe bezieht, finden wir bei ihm sowie bei einigen Kirchenvtern und die Naturwissenschaft wird, wie manches andere, durch die Lust am Geheimnis obskuriert.

Dagegen gewhrt uns die vierte Abteilung einen heitern Blick in das sechzehnte Jahrhundert. Durch alte Literatur und Sprachkunde sehen wir auch die Farbenlehre befrdert. Das Bchlein des Thylesius von den Farben findet man in der Ursprache abgedruckt. Portius erscheint als Herausgeber und bersetzer des Theophrastischen Aufsatzes. Scaliger bemht sich auf eben diesem Wege um die Farbenbennungen. Paracelsus tritt ein und gibt den ersten Wink zur Einsicht in die chemischen Farben. Durch Alchimisten wird nichts gefrdert. Nun bietet sich die Betrachtung dar, da, je mehr die Menschen selbstttig werden und neue Naturverhltnisse entdecken, das berlieferte an seiner Gltigkeit verliere und seine Autoritt nach und nach unscheinbar werde. Die theoretischen und praktischen Bemhungen des Telesius, Cardanus, Porta fr die Naturlehre werden gerhmt. Der menschliche Geist wird immer freier, unduldsamer, selbst gegen notwendiges und ntzliches Lernen, und ein solches Bestreben geht so weit, da Baco von Verulam sich erkhnt, ber alles, was bisher auf der Tafel des Wissens verzeichnet gestanden, mit dem Schwamme hinzufahren.

In der fnften Abteilung zu Anfang des siebzehnten Jahrhunderts trsten uns jedoch ber ein solches schriftstrmendes Beginnen Galilei und Kepler, zwei wahrhaft auferbauende Mnner. Von dieser Zeit an wird auch unser Feld mehr angebaut. Snellius entdeckt die Gesetze der Brechung, und Antonius de Dominis tut einen groen Schritt zur Erklrung des Regenbogens. Aguilonius ist der erste, der das Kapitel von den Farben ausfhrlich behandelt; da sie Cartesius neben den brigen Naturerscheinungen aus Materialitten und Rotationen entstehen lt. Kircher liefert ein Werk, die groe Kunst des Lichtes und Schattens, und deutet schon durch diesen ausgesprochnen Gegensatz auf die rechte Weise, die Farben abzuleiten. Marcus Marci dagegen behandelt diese Materie abstrus und ohne Vorteil fr die Wissenschaft. Eine neue, schon frher vorbereitete Epoche tritt nunmehr ein. Die Vorstellungsart von der Materialitt des Lichtes nimmt berhand. De la Chambre und Vossius haben schon dunkle Lichter in dem hellen. Grimaldi zerrt, quetscht, zerreit, zersplittert das Licht, um ihm Farben abzugewinnen. Boyle lt es von den verschiedenen Facetten und Rauhigkeiten der Oberflche widerstrahlen, und auf diesem Wege die Farben erscheinen. Hooke ist geistreich, aber paradox. Bei Malebranche werden die Farben dem Schall verglichen, wie immer auf dem Wege der Schwingungslehre. Sturm kompiliert und eklektisiert; aber Funccius, durch Betrachtung der atmosphrischen Erscheinungen an der Natur festgehalten, kommt dem Rechten ganz nahe, ohne doch durchzudringen. Nuguet ist der erste, der die prismatischen Erscheinungen richtig ableitet. Sein System wird mitgeteilt und seine wahren Einsichten von den falschen und unzulnglichen gesondert. Zum Schlu dieser Abteilung wird die Geschichte des Kolorits seit Wiederherstellung der Kunst bis auf unsere Zeit, gleichfalls von Herrn Hofrat Meyer, vorgetragen.

Die sechste Abteilung ist dem achtzehnten Jahrhundert gewidmet, und wir treten sogleich in die merkwrdige Epoche von Newton bis auf Dollond. Die Londoner Soziett, als eine bedeutende Versammlung von Naturfreunden des Augenblicks, zieht alle unsere Aufmerksamkeit an sich. Mit ihrer Geschichte machen uns bekannt Sprat, Birch und die Transaktionen. Diesen Hlfsmitteln zufolge wird von den ungewissen Anfngen der Soziett, von den frhern und sptern Zustnden der Naturwissenschaft in England, von den uern Vorteilen der Gesellschaft, von den Mngeln, die in ihr selbst, in der Umgebung und in der Zeit liegen, gehandelt. Hooke erscheint als geistreicher, unterrichteter, geschftiger, aber zugleich eigenwilliger, unduldsamer, unordentlicher Sekretr und Experimentator. Newton tritt auf. Dokumente seiner Theorie der Farben sind die lectiones opticae, ein Brief an Oldenburg, den Sekretr der Londoner Soziett; ferner die Optik. Newtons Verhltnis zur Soziett wird gezeigt. Eigentlich meldet er sich zuerst durch sein katoptrisches Teleskop an. Von der Theorie ist nur beilufig die Rede, um die Unmglichkeit der Verbesserung dioptrischer Fernrhre zu zeigen und seiner Vorrichtung einen grern Wert beizulegen. Obgedachter Brief erregt die ersten Gegner Newtons, denen er selbst antwortet. Dieser Brief sowohl als die ersten Kontroversen sind in ihren Hauptpunkten ausgezogen und der Grundfehler Newtons aufgedeckt, da er die uern Bedingungen, welche nicht aus dem Licht, sondern an dem Licht die Farben hervorbringen, bereilt beseitigt, und dadurch sowohl sich als andere in einen beinah unauflslichen Irrtum verwickelt. Mariotte fat ein ganz richtiges Aperu gegen Newton, worauf wenig geachtet wird.

Desaguliers, Experimentator von Metier, experimentiert und argumentiert gegen den schon Verstorbenen. Sogleich tritt Rizzetti mit mehrerem Aufwand gegen Newton hervor; aber auch ihn treibt Desaguliers aus den Schranken, welchem Gauger als Schildknappe beiluft. Newtons Persnlichkeit wird geschildert, und eine ethische Auflsung des Problems versucht: wie ein so auerordentlicher Mann sich in einem solchen Grade irren, seinen Irrtum bis an sein Ende mit Neigung, Flei, Hartnckigkeit, trotz aller ueren und inneren Warnungen, bearbeiten und befestigen und so viel vorzgliche Menschen mit sich fortreien knnen. Die ersten Schler und Bekenner Newtons werden genannt. Unter den Auslndern sind s'Gravesande und Musschenbroek bedeutend.

 


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