
I. Licht und Finsternis zum Auge
5. Die Retina befindet sich, je nachdem Licht oder Finsternis auf sie wirken, in zwei verschiedenen Zustnden, die einander vllig entgegenstehen.
6. Wenn wir die Augen innerhalb eines ganz finstern Raums offen halten, so wird uns ein gewisser Mangel empfindbar. Das Organ ist sich selbst berlassen, es zieht sich in sich selbst zurck, ihm fehlt jene reizende befriedigende Berhrung, durch die es mit der uern Welt verbunden und zum Ganzen wird.
7. Wenden wir das Auge gegen eine stark beleuchtete weie Flche, so wird es geblendet und fr eine Zeit lang unfhig, mig beleuchtete Gegenstnde zu unterscheiden.
8. Jeder dieser uersten Zustnde nimmt auf die angegebene Weise die ganze Netzhaut ein, und insofern werden wir nur einen derselben auf einmal gewahr. Dort (6) fanden wir das Organ in der hchsten Abspannung und Empfnglichkeit, hier (7) in der uersten berspannung und Unempfindlichkeit.
9. Gehen wir schnell aus einem dieser Zustnde in den andern ber, wenn auch nicht von einer uersten Grenze zur andern, sondern etwa nur aus dem Hellen ins Dmmernde, so ist der Unterschied bedeutend und wir knnen bemerken, da die Zustnde eine Zeitlang dauern.
10. Wer aus der Tageshelle in einen dmmrigen Ort bergeht, unterscheidet nichts in der ersten Zeit, nach und nach stellen sich die Augen zur Empfnglichkeit wieder her, starke frher als schwache, jene schon in einer Minute, wenn diese sieben bis acht Minuten brauchen.
11. Bei wissenschaftlichen Beobachtungen kann die Unempfnglichkeit des Auges fr schwache Lichteindrcke, wenn man aus dem Hellen ins Dunkle geht, zu sonderbaren Irrtmern Gelegenheit geben. So glaubte ein Beobachter, dessen Auge sich langsam herstellte, eine ganze Zeit, das faule Holz leuchte nicht um Mittag, selbst in der dunkeln Kammer. Er sah nmlich das schwache Leuchten nicht, weil er aus dem hellen Sonnenschein in die dunkle Kammer zu gehen pflegte und erst spter einmal so lange darin verweilte, bis sich das Auge wieder hergestellt hatte.
Ebenso mag es dem Doktor Wall mit dem elektrischen Scheine des Bernsteins gegangen sein, den er bei Tage, selbst im dunkeln Zimmer, kaum gewahr werden konnte.
Das Nichtsehen der Sterne bei Tage, das Bessersehen der Gemlde durch eine doppelte Rhre ist auch hieher zu rechnen.
12. Wer einen vllig dunkeln Ort mit einem, den die Sonnt bescheint, verwechselt, wird geblendet. Wer aus der Dmmrung ins nicht blendende Helle kommt, bemerkt alle Gegenstnde frischer und besser; daher ein ausgeruhtes Auge durchaus fr mige Erscheinungen empfnglicher ist.
Bei Gefangenen, welche lange im Finstern gesessen, ist die Empfnglichkeit der Retina so gro, da sie im Finstern (wahrscheinlich in einem wenig erhellten Dunkel) schon Gegenstnde unterscheiden.
13. Die Netzhaut befindet sich bei dem, was wir sehen heien, zu gleicher Zeit in verschiedenen, ja in entgegengesetzten Zustnden. Das hchste nicht blendende Helle wirkt neben dem vllig Dunkeln. Zugleich werden wir alle Mittelstufen des Helldunkeln und alle Farbenbestimmungen gewahr.
14. Wir wollen gedachte Elemente der sichtbaren Welt nach und nach betrachten und bemerken, wie sich das Organ gegen dieselben verhalte, und zu diesem Zweck die einfachsten Bilder vornehmen.