
IV. Blendendes farbloses Bild
39. Wenn man ein blendendes vllig farbloses Bild ansieht, so macht solches einen starken dauernden Eindruck, und das Abklingen desselben ist von einer Farbenerscheinung begleitet.
40. In einem Zimmer, das mglichst verdunkelt worden, habe man im Laden eine runde ffnung, etwa drei Zoll im Durchmesser, die man nach Belieben aufund zudecken kann; durch selbige lasse man die Sonne auf ein weies Papier scheinen und sehe in einiger Entfernung starr das erleuchtete Rund an; man schliee darauf die ffnung und blicke nach dem dunkelsten Orte des Zimmers, so wird man eine runde Erscheinung vor sich schweben sehen. Die Mitte des Kreises wird man hell, farblos, einigermaen gelb sehen, der Rand aber wird sogleich purpurfarben erscheinen.
Es dauert eine Zeitlang, bis diese Purpurfarbe von auen herein den ganzen Kreis zudeckt, und endlich den hellen Mittelpunkt vllig vertreibt. Kaum erscheint aber das ganze Rund purpurfarben, so fngt der Rand an blau zu werden, das Blaue verdrngt nach und nach hereinwrts den Purpur. Ist die Erscheinung vollkommen blau, so wird der Rand dunkel und unfrbig. Es whret lange, bis der unfrbige Rand vllig das Blaue vertreibt und der ganze Raum unfrbig wird. Das Bild nimmt sodann nach und nach ab, und zwar dergestalt, da es zugleich schwcher und kleiner wird. Hier sehen wir abermals, wie sich die Netzhaut durch eine Sukzession von Schwingungen gegen den gewaltsamen uern Eindruck nach und nach wieder herstellt (25, 26).
41. Die Verhltnisse des Zeitmaes dieser Erscheinung habe ich an meinem Auge, bei mehrern Versuchen bereinstimmend, folgendermaen gefunden.
Auf das blendende Bild hatte ich fnf Sekunden gesehen, darauf den Schieber geschlossen; da erblickt' ich das farbige Scheinbild schwebend, und nach dreizehn Sekunden erschien es ganz purpurfarben. Nun vergingen wieder neunundzwanzig Sekunden, bis das Ganze blau erschien, und achtundvierzig, bis es mir farblos vorschwebte. Durch Schlieen und ffnen des Auges belebte ich das Bild immer wieder (27), so da es sich erst nach Verlauf von sieben Minuten ganz verlor.
Knftige Beobachter werden diese Zeiten krzer oder lnger finden, je nachdem sie strkere oder schwchere Augen haben (23). Sehr merkwrdig aber wre es, wenn man demungeachtet durchaus ein gewisses Zahlenverhltnis dabei entdecken knnte.
42. Aber dieses sonderbare Phnomen erregt nicht so bald unsre Aufmerksamkeit, als wir schon eine neue Modifikation desselben gewahr werden.
Haben wir, wie oben gedacht, den Lichteindruck im Auge aufgenommen und sehen in einem mig erleuchteten Zimmer auf einen hellgrauen Gegenstand, so schwebt abermals ein Phnomen vor uns, aber ein dunkles, das sich nach und nach von auen mit einem grnen Rande einfat, welcher ebenso wie vorher der purpurne Rand sich ber das ganze Rund hineinwrts verbreitet. Ist dieses geschehen, so sieht man nunmehr ein schmutziges Gelb, das, wie in dem vorigen Versuche das Blau, die Scheibe ausfllt und zuletzt von einer Unfarbe verschlungen wird.
43. Diese beiden Versuche lassen sich kombinieren, wenn man in einem mig hellen Zimmer eine schwarze und weie Tafel nebeneinander hinsetzt und, solange das Auge den Lichteindruck behlt, bald auf die weie, bald auf die schwarze Tafel scharf hinblickt. Man wird alsdann im Anfange bald ein purpurnes, bald ein grnes Phnomen und so weiter das brige gewahr werden. Ja, wenn man sich gebt hat, so lassen sich, indem man das schwebende Phnomen dahin bringt, wo die zwei Tafeln aneinander stoen, die beiden entgegengesetzten Farben zugleich erblicken; welches um so bequemer geschehen kann, als die Tafeln entfernter stehen, indem das Spektrum alsdann grer erscheint.
44. Ich befand mich gegen Abend in einer Eisenschmiede, als eben die glhende Masse unter den Hammer gebracht wurde. Ich hatte scharf darauf gesehen, wendete mich um und blickte zufllig in einen offenstehenden Kohlenschoppen. Ein ungeheures purpurfarbnes Bild schwebte nun vor meinen Augen, und als ich den Blick von der dunkeln ffnung weg nach dem hellen Bretterverschlag wendete, so erschien mir das Phnomen halb grn, halb purpurfarben, je nachdem es einen dunklern oder hellern Grund hinter sich hatte. Auf das Abklingen dieser Erscheinung merkte ich damals nicht.
45. Wie das Abklingen eines umschriebenen Glanzbildes verhlt sich auch das Abklingen einer totalen Blendung der Retina. Die Purpurfarbe, welche die vom Schnee Geblendeten erblicken, gehrt hieher, sowie die ungemein schne grne Farbe dunkler Gegenstnde, nachdem man auf ein weies Papier in der Sonne lange hingesehen. Wie es sich nher damit verhalte, werden diejenigen knftig untersuchen, deren jugendliche Augen, um der Wissenschaft willen, noch etwas auszustehen fhig sind.
46. Hieher gehren gleichfalls die schwarzen Buchstaben, die im Abendlichte rot erscheinen. Vielleicht gehrt auch die Geschichte hieher, da sich Blutstropfen auf dem Tische zeigten, an den sich Heinrich der Vierte von Frankreich mit dem Herzog von Guise, um Wrfel zu spielen, gesetzt hatte.