
XLVI. Mitteilung, wirkliche
572. Wenn wir nunmehr auf gedachte Weise uns Farbematerialien verschafft haben, so entsteht ferner die Frage, wie wir solche farblosen Krpern mitteilen knnen, deren Beantwortung fr das Leben, den Gebrauch, die Benutzung, die Technik von der grten Bedeutung ist.
573. Hier kommt abermals die dunkle Eigenschaft einer jeden Farbe zur Sprache. Von dem Gelben, das ganz nah am Weien liegt, durchs Orange und Mennigfarbe zum Rein roten und Karmin, durch alle Abstufungen des Violetten bis in das satteste Blau, das ganz am Schwarzen liegt, nimmt die Farbe immer an Dunkelheit zu. Das Blaue, einmal spezifiziert, lt sich verdnnen, erhellen, mit dem Gelben verbinden, wodurch es Grn wird und sich nach der Lichtseite hinzieht. Keineswegs geschieht dies aber seiner Natur nach.
574. Bei den physiologischen Farben haben wir schon gesehen, da sie ein Minus sind als das Licht, indem sie beim Abklingen des Lichteindrucks entstehen, ja zuletzt diesen Eindruck ganz als ein Dunkles zurcklassen. Bei physischen Versuchen belehrt uns schon der Gebrauch trber Mittel, die Wirkung trber Nebenbilder, da hier von einem gedmpften Lichte, von einem bergang ins Dunkle die Rede sei.
575. Bei der chemischen Entstehung der Pigmente werden wir dasselbe bei der ersten Erregung gewahr. Der gelbe Hauch, der sich ber den Stahl zieht, verdunkelt schon die glnzende Oberflche. Bei der Verwandlung des Bleiweies in Massicot ist es deutlich, da das Gelbe dunkler als Wei sei.
576. Diese Operation ist von der grten Zartheit und so auch die Steigerung, welche immer fortwchst, die Krper, welche bearbeitet werden, immer inniger und krftiger frbt, und so auf die grte Feinheit der behandelten Teile, auf unendliche Teilbarkeit hinweist.
577. Mit den Farben, welche sich gegen das Dunkle hinbegeben, und folglich besonders mit dem Blauen knnen wir ganz an das Schwarze hinanrcken, wie uns denn ein recht vollkommnes Berlinerblau, ein durch Vitriolsure behandelter Indig fast als Schwarz erscheint.
578. Hier ist nun der Ort, einer merkwrdigen Erscheinung zu gedenken, da nmlich Pigmente in ihrem hchst gesttigten und gedrngten Zustande, besonders aus dem Pflanzenreiche, als erstgedachter Indig, oder auf seine hchste Stufe gefhrter Krapp, ihre Farbe nicht mehr zeigen; vielmehr erscheint auf ihrer Oberflche ein entschiedener Metallglanz, in welchem die physiologisch geforderte Farbe spielt.
579. Schon jeder gute Indig zeigt eine Kupferfarbe auf dem Bruch, welches im Handel ein Kennzeichen ausmacht. Der durch Schwefelsure bearbeitete aber, wenn man ihn dick aufstreicht oder eintrocknet, so da weder das weie Papier noch die Porzellanschale durchwirken kann, lt eine Farbe sehen, die dem Orange nahkommt.
580. Die hochpurpurfarbne spanische Schminke, wahrscheinlich aus Krapp bereitet, zeigt auf der Oberflche einen vollkommnen grnen Metallglanz. Streicht man beide Farben, die blaue und rote, mit einem Pinsel auf Porzellan oder Papier auseinander, so hat man sie wieder in ihrer Natur, indem das Helle der Unterlage durch sie hindurchscheint.
581. Farbige Liquoren erscheinen schwarz, wenn kein Licht durch sie hindurchfllt, wie man sich in parallelepipedischen Blechgefen mit Glasboden sehr leicht berzeugen kann. In einem solchen wird jede durchsichtige farbige Infusion, wenn man einen schwarzen Grund unterlegt, schwarz und farblos erscheinen.
582. Macht man die Vorrichtung, da das Bild einer Flamme von der untern Flche zurckstrahlen kann, so erscheint diese gefrbt. Hebt man das Gef in die Hhe und lt das Licht auf druntergehaltenes weies Papierfallen, so erscheint die Farbe auf diesem. Jede helle Unterlage, durch ein solches gefrbtes Mittel gesehen, zeigt die Farbe desselben.
583. Jede Farbe also, um gesehen zu werden, mu ein Licht im Hinterhalte haben. Daher kommt es, da je heller und glnzender die Unterlagen sind, desto schner erscheinen die Farben. Zieht man Lackfarben auf einen metallisch glnzenden weien Grund, wie unsre sogenannten Folien verfertigt werden, so zeigt sich die Herrlichkeit der Farbe bei diesem zurckwirkenden Licht so sehr als bei irgendeinem prismatischen Versuche. Ja die Energie der physischen Farben beruht hauptschlich darauf, da mit und hinter ihnen das Licht immerfort wirksam ist.
584. Lichtenberg, der zwar seiner Zeit und Lage nach der hergebrachten Vorstellung folgen mute, war doch zu ein guter Beobachter und zu geistreich, als da er das, was ihm vor Augen erschien, nicht htte bemerken und nach seiner Weise erklren und zurecht legen sollen. Er sagt in der Vorrede zu Delaval: Auch scheint es mir aus andern Grnden - wahrscheinlich, da unser Organ, um eine Farbe zu empfinden, etwas von allem Licht (weies) zugleich mitempfinden msse.
585. Sich weie Unterlagen zu verschaffen, ist das Hauptgeschft des Frbers. Farblosen Erden, besonders dem Alaun, kann jede spezifizierte Farbe leicht mitgeteilt werden. Besonders aber hat der Frber mit Produkten der animalischen und der Pflanzenorganisation zu schaffen.
586. Alles Lebendige strebt zur Farbe, zum Besondern, zur Spezifikation, zum Effekt, zur Undurchsichtigkeit bis ins Unendlichfeine. Alles Abgelebte zieht sich nach dem Weien (494), zur Abstraktion, zur Allgemeinheit, zur Verklrung, zur Durchsichtigkeit.
587. Wie dieses durch Technik bewirkt werde, ist in dem Kapitel von Entziehung der Farbe anzudeuten. Hier bei der Mitteilung haben wir vorzglich zu bedenken, da Tiere und Vegetabilien im lebendigen Zustande Farbe an ihnen hervorbringen und solche daher, wenn sie ihnen vllig entzogen ist, um desto leichter wieder in sich aufnehmen.