
Schluwort
Indem ich diese Arbeit, welche mich lange genug beschftigt, doch zuletzt nur als Entwurf gleichsam aus dem Stegreife herauszugeben im Falle bin und nun die vorstehenden gedruckten Bogen durchblttere, so erinnere ich mich des Wunsches, den ein sorgfltiger Schriftsteller vormals geuert, da er seine Werke lieber zuerst ins Konzept gedruckt she, um alsdann aufs neue mit frischem Blick an das Geschft zu gehen, weil alles Mangelhafte uns im Drucke deutlicher entgegen komme als selbst in der saubersten Handschrift.
Um wie lebhafter mute bei mir dieser Wunsch entstehen, da ich nicht einmal eine vllig reinliche Abschrift vor dem Druck durchgehen konnte, da die sukzessive Redaktion dieser Bltter in eine Zeit fiel, welche eine ruhige Sammlung des Gemts unmglich machte.
Wie vieles htte ich daher meinen Lesern zu sagen, wovon sich doch manches schon in der Einleitung findet. Ferner wird man mir vergnnen, in der Geschichte der Farbenlehre auch meiner Bemhungen und der Schicksale zu gedenken, welche sie erduldeten.
Hier aber stehe wenigstens eine Betrachtung vielleicht nicht am unrechten Orte, die Beantwortung der Frage: was kann derjenige, der nicht im Fall ist, sein ganzes Leben den Wissenschaften zu widmen, doch fr die Wissenschaften leisten und wirken? was kann er als Gast in einer fremden Wohnung zum Vorteile der Besitzer ausrichten?
Wenn man die Kunst in einem hhern Sinne betrachtet, so machte man wnschen, da nur Meister sich damit abgben, da die Schler auf das strengste geprft wrden, da Liebhaber sich in einer ehrfurchtsvollen Annherung glcklich fhlten. Denn das Kunstwerk soll aus dem Genie entspringen, der Knstler soll Gehalt und Form aus der Tiefe seines eigenen Wesens hervorrufen, sich gegen den Stoff beherrschend verhalten und sich der uern Einflsse nur zu seiner Ausbildung bedienen.
Wie aber dennoch aus mancherlei Ursachen schon der Knstler den Dilettanten zu ehren hat, so ist es bei wissenschaftlichen Gegenstnden noch weit mehr der Fall, da der Liebhaber etwas Erfreuliches und Ntzliches zu leisten imstande ist. Die Wissenschaften ruhen weit mehr auf der Erfahrung als die Kunst, und zum Erfahren ist gar mancher geschickt. Das Wissenschaftliche wird von vielen Seiten zusammengetragen und kann vieler Hnde, vieler Kpfe nicht entbehren. Das Wissen lt sich berliefern, diese Schtze knnen vererbt werden; und das von einem Erworbene werden manche sich zueignen. Es ist daher niemand, der nicht seinen Beitrag den Wissenschaften anbieten drfte. Wie vieles sind wir nicht dem Zufall, dem Handwerk, einer augenblicklichen Aufmerksamkeit schuldig. Alle Naturen, die mit einer glcklichen Sinnlichkeit begabt sind, Frauen, Kinder sind fhig, uns lebhafte und wohlgefate Bemerkungen mitzuteilen.
In der Wissenschaft kann also nicht verlangt werden, da derjenige, der etwas fr sie zu leisten gedenkt, ihr das ganze Leben widme, sie ganz berschaue und umgehe; welches berhaupt auch fr den Eingeweihten eine hohe Forderung ist. Durchsucht man jedoch die Geschichte der Wissenschaften berhaupt, besonders aber die Geschichte der Naturwissenschaft, so findet man, da manches Vorzglichere von einzelnen in einzelnen Fchern, sehr oft von Laien geleistet worden.
Wohin irgend die Neigung, Zufall oder Gelegenheit den Menschen fhrt, welche Phnomene besonders ihm auffallen, ihm einen Anteil abgewinnen, ihn festhalten, ihn beschftigen, immer wird es zum Vorteil der Wissenschaft sein. Denn jedes neue Verhltnis, das an den Tag kommt, jede neue Behandlungsart, selbst das Unzulngliche, selbst der Irrtum ist brauchbar oder aufregend und fr die Folge nicht verloren.
In diesem Sinne mag der Verfasser denn auch mit einiger Beruhigung auf seine Arbeit zurcksehen; in dieser Betrachtung kann er wohl einigen Mut schpfen zu dem, was zu tun noch brig bleibt, und, zwar nicht mit sich selbst zufrieden, doch in sich selbst getrost, das Geleistete und zu Leistende einer teilnehmenden Welt und Nachwelt empfehlen.
Multi pertransibunt et augebitur scientia