Home  Impressum  CopyrightItalienische Reise

Pigmente


911. Wir empfangen sie aus der Hand des Chemikers und Naturforschers. Manches ist darber aufgezeichnet und durch den Druck bekannt geworden, doch verdiente dieses Kapitel von Zeit zu Zeit neu bearbeitet zu werden. Indessen teilt der Meister seine Kenntnisse hierber dem Schler mit, der Knstler dem Knstler.

912. Diejenigen Pigmente, welche ihrer Natur nach die dauerhaftesten sind, werden vorzglich ausgesucht; aber auch die Behandlungsart trgt viel zur Dauer des Bildes bei. Deswegen sind so wenig Farbenkrper als mglich anzuwenden, und die simpelste Methode des Auftrags nicht genug zu empfehlen.

913. Denn aus der Menge der Pigmente ist manches bel fr das Kolorit entsprungen. Jedes Pigment hat sein eigentmliches Wesen in Absicht seiner Wirkung aufs Auge, ferner etwas Eigentmliches, wie es technisch behandelt sein will. Jenes ist Ursache, da die Harmonie schwerer durch mehrere als durch wenige Pigmente zu erreichen ist, dieses, da chemische Wirkung und Gegenwirkung unter den Farbekrpern stattfinden kann.

914. Ferner gedenken wir noch einiger falschen Richtungen, von denen sich die Knstler hinreien lassen. Die Maler begehren immer nach neuen Farbekrpern und glauben, wenn ein solcher gefunden wird, einen Vorschritt in der Kunst getan zu haben. Sie tragen groes Verlangen, die alten mechanischen Behandlungsarten kennen zu lernen, wodurch sie viel Zeit verlieren, wie wir uns denn zu Ende des vorigen Jahrhunderts mit der Wachsmalerei viel zu lange geqult haben. Andre gehen darauf aus, neue Behandlungsarten zu erfinden, wodurch denn auch weiter nichts gewonnen wird. Denn es ist zuletzt doch nur der Geist, der jede Technik lebendig macht.


 © textlog.de 2004 06.09.2026 14:15:11
Seite zuletzt aktualisiert: 16.09.2004