Tiefsinn ist die Kraft des Geistes, mit Gründlichkeit das Wesen der Objekte zu erforschen, tief in den Zusammenhang der Dinge und Begriffe einzudringen, das Verborgenste aufzufinden und zu begreifen. CHR. WOLF nennt denjenigen tiefsinnig, ŧder einen feinen Grad der Deutlichkeit in seinen Gedanken erreichetŦ (Vern. Ged. I, § 209). Nach G. E. SCHULZE zeigt sich der Tiefsinn in vorzüglichem Grade dann, ŧwenn er sehr Vieles und sehr Verschiedenes durch Ableitung desselben aus wenigen Gründen oder wohl gar aus einem einzigen Grunde Einheit und Zusammenhang bringtŦ (Psych. Anthropol. S. 239). Nach C. G. CARUS ist Tiefsinn ŧdiejenige Richtung des Geistes, welche sich gegen die Erforschung der Idee selbst kehrtŦ (Vorles. S. 409). Nach M. CARRIERE ist es der Tiefsinn, der ŧdie gemeinsame Einheit und den allgemeinen Lebensgrund in allem Mannigfaltigen und Besonderen erschautŦ (Ästh. I, 205). Nach VOLKMANN beruht der Tiefsinn auf der ŧTiefe des SchließensŦ (Lehrb. d. Psychol. II4, 298).