Ding. - Antike, Scholastik, Pantheismus


 

Im weiteren Sinne wird der Begriff Ding gebraucht in der antiken. Philosophie. Dann bei den Scholastikern, welche unter Dingen (entia, res) sowohl Auendinge (entia realia) als auch Denkinhalte berhaupt (Gedanken dinge, entia rationis) verstehen. Schon DIONYSIUS AREOPAGITA unterscheidet entia rationalia, intellectualia, sensibilia, simpliciter existentia (bei ALBERTUS MAGNUS, Sum. th. I, 15, 2). Nach THOMAS ist res sowohl das, quod est in anima als auch quod est extra animam (1 sent. 25, 1, 4c). Ens = quod significat substantiam rei (De ente et ess. l). Ens rationis ist nach DUNS SCOTUS subiectum logicae, ens in quantum mobile est = subiectum naturalis scientiae, ens sub ratione = subiectum metaphysicae (vgl. PRANTL, G. d. Log. III, 203). WILHELM VON OCCAM betont: non ideo aliquid dicitur ens rationis, quia non est vera res existens in rerum natura, sed ideo dicitur ens rationis, quia non est nisi in ratione, qua mens utitur pro alio vel intelligitur aliud (Sum. th. I, 40). Ens reale accipitur pro omni vera re existente in rerum natura (Sent. prol. qu. 1). Nach SPINOZA ist ens id omne, quod, cum clare et distincte percipitur, necessario existere, vel ad minimum posse existere, reperimus (Cogit. met. I, 1). Ens fictum ist quod ex sua natura existere nequit (ib.). Nach LEIBNIZ ist ein Ding alles, dessen Begriff etwas Positives enthlt oder das als mglich Vorstellbare (Opp. Erdm. p. 442). CHR. WOLF bestimmt ens als quod existere potest, consequenter cui existentia non repugnat (Ontol. 134); non -ens als quod existere nequit (l.c. 137), ens imaginarium als quod notione imaginaria exhibetur (l.c. 141). Quod possibile est, ens est (l.c. 135). Quicquid est vel esse posse concipitur, dicitur res, quatenus est aliquid (l.c. 243). Ding ist alles, was sein kann, es mag wirklich sein oder nicht (Vern. Ged. I, 16).

Das Ding als Substanz (s. d.), als Wesenheit auer dem Bewutsein, als Ursache der Vorstellung, als von seinen Merkmalen ontologisch Verschiedenes: in der antiken Philosophie und in der Scholastik, bei DESCARTES (s. Substanz), LOCKE, der schottischen Schule u. a. CRUSIUS versteht unter Ding dasjenige, was wirklich so, wie es gedacht wird, auch auerhalb der Gedanken vorhanden ist (Vernunftwahrh. 11). - Nach HERBART ist das Ding eine Komplexion von Merkmalen, noch ohne Frage nach ihrer realen Einheit, die dabei blindlings vorausgesetzt wird (Lehrb. z. Psychol. S. 86). Die Vorstellung des Dinges entsteht durch Zerreiung der Umgebung (Psychol. a. Wiss. II, 118). Das Ding ist die Substanz, welcher die Merkmale inhrieren (Met. II, 215). In dem Begriffe des Dings mit vielen Eigenschaften steckt ein Widerspruch, weil die Mehrheit der Eigenschaften die Einheit des Dinges aufhebt. Der Widerspruch wird gelst durch die Methode der Beziehungen (s. d.) (Met. II, 184 f.).

Nach ARDIG ist ein Ding (cosa) das in einem Raume Koexistierende (Op. filos. I, 72). Nach SIGWART liegt der Ding-Vorstellung zuerst die einheitliche Zusammenfassung einer im Raume abgegrenzten und dauernden Gestalt zugrunde, also eine rumliche und zeitliche Synthese (Log. II2, 113). Das Ding ist ein Vorgestelltes, das als eine rumlich abgegrenzte, in der Zeit dauernde Gestalt sich uns darstellt (l.c. S. 117). UPHUES bestimmt das Ding als das in demselben Raume Koexistierende (Psychol. d. Erk. S. 58). Unter Ding verstehen wir... ein Undurchdringliches, das wir auf Grund der Tast- und Gelenkempfindungen kennen lernen (l.c. I, 57). Nach B. ERDMANN ist das Vorgestellte ein Ding mit Eigenschaften, sofern es sich als beharrendes selbstndig Wirkliches, d. i. als selbstndig Wirkendes und Leidendes zu erkennen gibt. In diesem Sinne sind die Krper, ist aber auch das Subjekt des Bewutseins ein Ding mit Eigenschaften (Log. I, 56).

Der Pantheismus (s. d.) sieht in den Einzeldingen nur relative Existenzen, Formen oder Modificationen des einen Wesens, der Natur, Substanz, Gottheit. So besonders nach SPINOZA. Res singulares sind Dinge, quae finitae sunt et determinatam habent existentiam (Eth. II, def. VII). Res particulares nihil sunt nisi Dei attributorum affectiones, sive modi, quibus Dei attributa certo et determinato modo exprimuntur (Eth. I, prop. XXXV, Coroll.). Nach MALEBRANCHE sind die Dinge nur des participations imparfaites de l'etre divin (Rech. II, 6). Nach SCHELLING ist das Ding ein Moment des ewigen Actes der Verwandlung des Absoluten (Naturphilos. S. 76), nur ein bestimmter Grad von Ttigkeit, mit welchem der Raum erfllt wird (Syst. d. tr. Ideal. S. 61). HEGEL versteht unter Ding das existierende Etwas (Log. II, 124), die Totalitt als die in einem gesetzte Entwicklung der Bestimmungen des Grundes und der Existenz (Encykl. 125). Nach K. ROSENKRANZ ist Ding das Wesen als in seiner Existenz sich als Totalitt aller seiner Bestimmungen auf sich selbst beziehend (Syst. d. Wiss. S. 60 f.). Fr SCHOPENHAUER sind die Dinge nur flchtige Erscheinungen des einen Willens (s. d.). E. DHRING versteht unter Ding eine bestimmte Abgrenzung der Materie, in welcher irgend ein Verhalten mehr oder minder dauernd angelegt ist (Log. S. 201). Die Dinge sind zum Teil vorbergehende Ausprgungen bestimmter Formen und Gruppierungsverhltnisse und nur insoweit, als sie allgemeinen Weltstoff enthalten, auch absolute Dauerbarkeiten (l.c. S. 202).


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