Dogma: Lehrsatz; Behauptung ohne Beweis, Annahme. Als dogmata werden die philosophischen Lehrsätze der Alten (CICERO, Quaest. Acad. IV, 9; SENECA, Ep. 94, 95) im Unterschiede von der epochę (s. d.) der Skeptiker bezeichnet (Diog. L. IX, 74). KANT versteht unter ŧDogmaŦ einen direct synthetischen Satz aus Begriffen (Kr. d. r. Vern. S. 616). - Die christlichen Dogmen sind ŧdie begrifflich formulierten und für eine wissenschaftlich- apologetische Behandlung ausgeprägten, christlichen Glaubenslehren, welche die Erkenntnis Gottes, der Welt und der Heilsveranstaltungen Gottes zu ihrem Inhalte habenŦ (HARNACK, Dogmengesch. I3, 3). Im neuen Testament kommt das Wort ŧDogmaŦ (dogma) im Sinne eines ŧEdictsŦ vor (LUKAS II, 1). CLEMENS ALEXANDRINUS nennt die göttlichen Naturordnungen ta dedogmatismena hypo theou; er spricht vom theion dogma (Paedag. I; vgl. SABATIER, Religionsphilos. S. 213 ff.). Bei IGNATIUS (Ep. ad Magn. 13) findet sich en tois dogmasin (in den Lebensregeln). Erst die Apologeten (s. d.) gebrauchen dogmata im theologischen Sinne (HARNACK l.c. S. 482). In den Dogmen, die durch die Kirchenväter und Scholastiker ausgebildet wurden, sind neben christlich-jüdischen auch Elemente der griechischen Philosophie enthalten. Das Dogma ist ŧeine Lehre, aus der die Kirche ein Gesetz gemacht hatŦ (SABATIER, Religionsphil. S. 205).