Lieblingslieder XLIII: Landslide

Fleetwood Mac, 1975

Es gab ein Alter, da hätte man mich mit so etwas wie Fleetwood Mac jagen können. Die waren für mich in meiner jugendlichen Überheblichkeit eine dinosaurierhafte Stadionband. Langweilig. Viel zu glatt.

Und heute?

Denke ich das immer noch.

Aber da ist auch meine andere Sicht auf Fleetwood Mac. Irgendwann sah ich Jersey Girl von Kevin Smith, hörte dieses Lied im Soundtrack des Films und mochte es so sehr. Wie, das sind auch Fleetwood Mac? Warum war ich so ignorant? Seitdem hat Landslide seinen Platz in meiner Bestenliste. Wie könnten mich diese Zeilen kalt lassen:

Well, I’ve been afraid of changin’
Cause I’ve built my life around you
But time makes you bolder
Even children get older
And I’m getting older too

Newsletter #3

Heute habe ich den dritten Ligne-Claire-Newsletter verschickt. Es ging, Sie werden es sich denken, um mein Buch, außerdem um R.E.M., Maria José Llergo, Arab Strap und noch andere Dinge.

Links 21. September 2026

Meinungen zum Buch

Ein paar Leute hatten Der zweite Sommer ja bereits vorab gelesen und freundlicherweise auch ihre Eindrücke gepostet.

UPDATE: Was auch Martin bei sich drüben schreibt; das erzeugt mir hier zu viele Links bei Rivva und das fühlt sich total unangenehm an, wie Spammen. Habe die Links bei den Quellen daher rausgenommen.

Ab und an wundert mich, wie leicht Dirk Hesse mir diese Welt zeigt, ohne dass ich angestrengte Beschreibungen irgendwelcher Zukunftstechnik kriege. Stattdessen kann ich die Welt förmlich fühlen, riechen, ertasten und erlaufen. Sie ist benutzt, kaputt, und doch lebendig. […] Es ist somit ein Buch voller Hoffnung. Hoffnung nicht auf das eine System, das uns rettet, oder die eine Moral, den einen Lebensentwurf. Und schon gar nicht Maschinen. Es ist die Hoffnung auf Menschlichkeit. Das Lächeln, die Geste, die ausgestreckte Hand. konnexus.net

Der zweite Sommer erzählt die (Vor-)Geschichte Die Lehrerin nicht nur weiter, sondern gibt den Figuren mehr Raum und Tiefe, baut Schleifen ein, die ich ganz großartig finde […] Der Rhythmus läuft geschmeidig wie ein Roadmovie. martin.cafe

Vieles ist noch, wie wir es kennen. Elektroautos, Autobahnen, Auffanglager, Internet. Aber immer wieder sind Marken, Stars und kleine Ideen unter die Prosa und ins bekannte Europa gemischt, die ganz klar deutlich machen: Hier ist die Zukunft. Und … immer ist es nur einen kleinen Schritt weiter, immer ist es plausibel. […] Gleichzeitig schafft es das Buch, einen amerikanischen Tonfall zu vermeiden und durch und durch genuin europäisch zu wirken. Anmut und Demut

Den Roman kann man trotz seines Titels selbstverständlich auch im Herbst lesen. Sogar im Winter. → Das Buch kaufen

Who knows where the time goes?

Brauche eine Auszeit von Blogs. Von RSS-Feeds. Von Nachrichten. Diese ewigen Empörungen und Meinungen zu allem und jedem, grausam. Ich brauche mehr Zeit mit Büchern. Habe so lange kaum was auf Papier gelesen. Im April einen gerade mal fingerdicken Roman von Chandler angefangen, und Chandler kann man doch so weglesen, aber ich bin nicht mal bei der Hälfte angelangt, und es ist schon Mitte September. Was ist mit all der Zeit geschehen? Fuck.

Was ich über das Schreiben gelernt habe

Ich bin ja gerade aus der Roman-Produktion zurück, habe sozusagen noch ölverschmierte Hände. Ein guter Moment, um ein paar Erkenntnisse über das Schreiben eines längeren Textes zusammenzufassen.

Nichts davon ist neu, alte Häsinnen und Hasen werden bloß gähnen. Aber es sind die Dinge, die ich in den letzten Jahren gelernt habe:

  1. Es gibt Szenen oder Kapitel, die du mit Freude schreibst, und dann gibt es welche, die sind die reinste Qual. Du bringst sie irgendwie hinter dich. Das Verblüffende ist: im fertigen Text stellst du keinen Unterschied mehr fest.
  2. Das schon Geschriebene erst dann lesen und vor allem bearbeiten, wenn du mit der ersten Fassung durch bist. Du kommst sonst nicht voran. Bei der Lehrerin, als ich von nichts eine Ahnung hatte, kostete mich das dauernde Zurückgehen und Verbessern Monate.
  3. Gehen, wenn man nicht weiter weiß. Nach ein paar Minuten zu Fuß fängt es an: die Ideen kommen, von Gott weiß woher im Gehirn. Hilft immer.
  4. Beobachtungen, Aufgeschnapptes, Schnipsel, Stimmungen: Ein Text entsteht vor allem, wenn man nicht vor ihm sitzt.
  5. Tools sind überbewertet. Einst schrieb man hunderte Seiten im Kerzenlicht oder mit einer mechanischen Schreibmaschine. Natürlich bieten Programme wie Scrivener, Ulysses, Highland usw. sinnvolle, die Arbeit erleichternde Funktionen. Trotzdem starten sie alle mit einem weißen Blatt. (Vom Füllen der Blätter mit KI mag ich nicht anfangen. Nicht mein Ding, nicht mein Thema.)
  6. Derek Sivers’ Satz »Obvious to you, amazing to others« hat mir mehr geholfen als jeder andere. Er gab Zuversicht, wenn die Zweifel kamen, wen dieser Kram, den man da schreibt, eigentlich interessieren soll.
  7. Nicht für »ein Publikum« schreiben, sondern für eine bestimmte Person. Die kann variieren, heute ist es vielleicht eine Autorin, die man gern liest, und beim nächsten Kapitel ein guter Freund. Stell dir vor, wie diese Person deinen Text wahrnimmt.
  8. Man kann aus hässlichen Dingen – aus Gewalt, Zerstörung, Niedergang, Depression – etwas Schönes erschaffen, das Menschen Freude macht. Das ist großartig.
  9. Ein unschlagbares Gefühl, wenn du hörst, dass du jemanden mit einer Geschichte, die du dir ausgedacht hat, ein paar Stunden unterhalten konntest. Dann war es all die Mühe wert.
  10. Kalt lesen. Musik hilft beim Schreiben, legt aber einen Zuckerguss auf den Text. Gelungen ist nur, was auch ohne die Musik funktioniert. Kann weh tun.
  11. Perfektionismus ist grotesk, lächerlich, eine Qual. Sorgfalt ist gut, und Texte voller Fehler sind furchtbar. Aber einer, zwei, drei? Dieses ganz kleine Plothole? Who cares? Sei etwas netter zu dir selbst. Mir fällt es immer noch schwer, den Perfektionismus aus dem Kopf zu bekommen. Aber es ist schon besser geworden.
  12. Nein, der erste Satz entscheidet nicht darüber, ob jemand weiterliest. Wer hat denn jemals ein Buch nach dem ersten Satz weggelegt?
  13. Regeln kann man brechen. Man muss sich nicht sklavisch an »Show don’t tell« halten, nur weil das in irgendwelchen Ratgebern steht. Man darf auch Adverbien und Adjektive benutzen.
  14. Geschichten sind nicht das wahre Leben. Niemand handelt wie Figuren in einem Buch. Niemand unterhält sich wie sie. Das Prinzip »Auge um Auge«, Rache, Gesetzesverstöße, Selbstjustiz etwa sind gesellschaftlich nicht akzeptiert, in der Fiktion haben sie aber ihren Platz.
  15. Die Welt schuldet dir nichts. Sie wird kaum bemerken, dass du ein Buch geschrieben hast. Du musst dich erniedrigen. Dir ein dickes Fell zulegen. Enttäuschungen hinnehmen. Trotzdem denkst du an das nächste Buch.

Kalle

Ich baller’ in dem Coupé mit 240 über de Bahn, dat ist meine Freiheit.

R.I.P. Ralf Richter. Diese Stimme, der Dialekt, wunderbar.

Links 14. September 2026

  • Die Go-Betweens waren hier schon öfter Thema, zuletzt vor zwei Wochen. Habe mich sehr gefreut, als ich entdeckte, dass das Label Beggars Banquet Ende September drei ihrer Platten wiederveröffentlicht. Es handelt sich um Liberty Belle and the Black Diamond Express, Tallulah und 16 Lovers Lane. Außerdem erscheint ein Live-Album.
  • Ilias und Odyssee in der Phantastik – Ein Überblick Und dahinter: ein ganzes Blog über »Antikenrezeption in der Phantastik«. Muss ich erwähnen, dass es in meinem RSS-Reader landete? (via)
  • Historische Ansichtskarten von Laupheim, von 1890 bis heute. (Danke, K.) Habe eine Schwäche für solche Enthusiasten-Projekte. Ich musste erstmal nachsehen, wo Laupheim liegt. Und las, dass dieser kleine Ort einmal die größte jüdische Gemeinde im einstigen Königreich Württemberg besaß. Sie kennen solche Momente vielleicht: ein Rabbit Hole öffnete sich.
  • Apropos Enthusiasmus, am 24. Oktober findet im Münchner Boxwerk (mit historischem Boxring) eine Blog-Lesung statt: »Rocky, die Lesung. It ain’t over ’til it’s over«. Es lesen: Kaltmamsell, Novemberregen, Vanessa Giese und Markus Pfeifer. Organisiert von Frau Klugscheisser. Ja, so etwas gibt es noch. Und das ist gut so. Es gibt ja auch noch gedruckte Bücher, Schallplatten und Fahrräder ohne Elektromotor. Alles schöne Dinge. Der Eintritt ist frei, Spenden sind wegen der (privat gestemmten) Kosten natürlich gern gesehen. Die Veranstaltung ist barrierefrei zugänglich.

Lieblingslieder XLII: Fare Thee Well, Miss Carousel

Townes van Zandt, 1969

P. hatte eine Townes-van-Zandt-Phase. Und schlug vor, ich solle mitkommen. Ich mochte Townes’ Musik damals zwar schon, aber nicht übermäßig. Doch der Legendenstatus lockte. Ein kleiner Saal. Wir waren die jüngsten im Publikum. Vielleicht im Kopf schon alt. Ich meine … Townes van Zandt. So etwas hört man doch eher in dem Alter, in dem ich jetzt bin.

Townes war ausgezehrt, es hieß, er ernähre sich ausschließlich von Alkohol. Aber er machte seine Witze. Kommunizierte. Allein mit seiner Gitarre saß er auf der Bühne. Es gibt bei Youtube einen Mitschnitt des Konzerts, auf dem ist mein Freund P. mit einem Zwischenruf zu hören.

Es war Townes van Zandts letzte Tour. Überhaupt einer seiner letzten Auftritte. Ein paar Wochen später war er tot.

Als ich neulich in dem niederländischen Plattenladen war, hatte ich die LP, die dieses Lied enthält, in der Hand. Ich war aber zu geizig, sie mir zu kaufen. Wie sehr ich mich jetzt ärgere.

Elfter September

2004, am damals noch klaffenden Ground Zero. Es war eine Gedenkveranstaltung, aber nicht am Datum des Anschlags.